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Rudolf  Kley -- 47137 Duisburg-Meiderich -- Bahnhofstr. 134 -- Tel 0203/442999

 

Bewerbung, offene

Erinnerungsstätte für die Opfer der Loveparade

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Schon dieser Brief ist selbst ein „Denkmal“. Mehr als hundert Tage nach dem traurigen Ereignis möchte ich mit ihm erreichen, dass man - die Jury - sich noch einmal grundsätzlich Gedanken über das Vorhaben macht, bevor sie entscheidet. Diese Anregung ist unbequem. Sie kommt aus einem offenen Herzen und wird vom Verstand geleitet. Wer auf meiner Webseite mein Plädoyer für „Die Liebe bleibt!“ gelesen hat, wird dies nachvollziehen können. Für alle anderen habe ich hoffentlich in diesen Text Hilfen eingebaut.

LOVEPARADE: WIE VIELE DENKMÄLER BRAUCHEN WIR?

Bevor ich auf diese Kernfrage des Textes eingehe, möchte ich über Erfahrungen und ungeklärte Fragen berichten, die mich bewegen.

Der „Bürgerkreis Gedenken“ ist auch ein „Bürgerkreis Bedenken“. Jedenfalls leitet man von dem Namen „Bürgerkreis“ ab, dass Bürger ihre Anregungen und Bedenken einbringen können. Wenn vielleicht auch nicht alle Bürger am Entscheidungsprozeßen  beteiligt sein können, dann sollten die Entscheidungen zumindest  transparent und nachvollziehbar sein. Wenn es sich bei diesem Bürgerkreis um einen abgeschlossenen Zirkel handelt, eine Bürgerbeteiligung vorgegaukelt oder ungern gesehen würde, dann wäre alles eine Farce, was soviel heißt wie leeres, nichts sagendes Getue, Manipulation, Schwindel, wenn man dem Internet an dieser Stelle glauben darf.

Natürlich möchte ich so etwas dem „Bürgerkreis Gedenken“ nicht unterstellen. Aber es bleibt die Frage, warum antwortet denn niemand, wenn man ihn höflich fragt? Eine Eingangsbestätigung und die Mitteilung über die Weiterleitung sind keine Antworten. (1. E-Mail von mir am 18.08.10 Eingangsbestätigung 20.08.10.Auf mein E-Mails vom 17.09.10, vom 15.10.10 und vom 26.10.10 jeweils keine Antwort ) Da bin ich nicht der Einzige, der sich beklagt.  Die Künstlerin Monika Tietz beschwert sich einen Monat nach der Katastrophe in einer Tageszeitung darüber, dass ihr niemand aus dem Rathaus auf ihren Entwurf eines Denkmals geantwortet hat. Gehört Sprachlosigkeit jetzt zu den neuen Identitätsmerkmalen der Stadt?

In meinem Fall keine Stellungnahme zu „Die Liebe bleibt!“ und damit auch keine informelle Unterstützung einer Spendenaktion, die von mir unter großem, persönlichen Einsatz vorgetragen wird, um den für das Denkmal zur Verfügung stehenden Betrag von 22 000 € bestenfalls um 10 000 € aufzustocken. (Um mich zu engagieren brauche ich keinen Auftrag!) Der „Bürgerkreis Gedenken“ also doch eine Farce, nur ein Beschwichtigungsversuch? Öl auf das Meer der trauernden, kritischen Stimmen, das man mit der Verantwortung auskippt?

Beweise habe ich dafür nicht und ich suche auch keine, aber die offenen Fragen bleiben. Auch wenn mit der Beteiligung von OB Krings für mich eigentlich ein Garant für das Gegenteil auf dem Plan steht. (Allerdings kann ich mir aufgrund persönlicher Erfahrungen auch nicht vorstellen, dass irgendein anderer Bürger oder ich bei OB Krings lange auf eine Antwort aus dem Rathaus hätte warten müssen.)

Dieses Schreiben, diese „Bewerbung“ ist ein offener Brief. Er findet sich auf meiner Webseite www.deapo.de.

Mich bewegt die Fragen, wie viele Denkmäler, Gedenktafeln usw. braucht die Stadt Duisburg, um das Gedenken an die Opfer der Loveparade wach zuhalten oder den Hinterbliebenen oder verletzten Opfern mit ihren Angehörigen gerecht zu werden? Wo wäre der richtige Standort für das Denkmal oder die Denkmäler? Gehören die Namen der Toten oder die aller Opfer auf diese Tafel? Können die Namen der Toten Stellvertreterfunktion haben, also auch für die Namen der vielen Verletzten und Schwerverletzten stehen? Wer maßt es sich an, dies willkürlich festlegen zu dürfen oder welche anderen Überlegungen spielen dabei eine Rolle?

Wenn ich an ein Denkmal denke, dann denke ich zuerst an irgendwelche Reiterstatuen oder Kriegerdenkmäler. Bei Wikipedia finde ich zu Letzteren folgendes:  „Die Funktion eines Kriegerdenkmals ist vielfältig. Es soll die Angehörigen trösten, indem es dem Tod ihrer Verwandten einen Sinn verleiht, es soll die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten und den Staat und seine Ideale repräsentieren. Deshalb gab es um die Aufstellung von Kriegerdenkmalen auch häufig Konflikte. Verschiedene gesellschaftliche Gruppen versuchten mit dem Denkmal, ihre Deutung des Krieges oder der Gesellschaft durchzusetzen. Etwa, ob nun die Trauer um die Toten oder eher Heldenverehrung (bisweilen mit Ausdruck des künftigen Willens zur Revanche) im Vordergrund stehen sollte.“ 

Schaut man sich die Ausschreibung an, so sind die wesentlichsten Aussagen die, dass namentlich die 21 Todesopfer erwähnt werden sollen und die Darstellung anfallender Kosten und bautechnischer Voraussetzungen erfolgen soll. Das Material soll beständig sein. Die Nutzung des Kubus mit den Erinnerungsstücken ist wünschenswert. 22 000 Euro stehen zur Verfügung. Eine Sinnfestschreibung gibt es nicht.

Wer ein Denkmal in Auftrag gibt, sollte schon deutlich sagen, was dieses Denkmal bezwecken und leisten soll und einen Kriterienkatalog vorgeben, an den Künstler und die Jury sich halten müssen. Schließlich geht es hier um reine Auftragskunst und nicht darum, die Freiheit der Kunst des beauftragten Künstlers zu fördern. Es sei denn, dieses oder Ähnliches wäre in dem Kriterienkatalog besonders erwähnt. In dem gegebenen Fall könnte man besser ein Losverfahren durchführen. Das Ergebnis der Jury dürfte nämlich hauptsächlich von Vorurteilen und der Gemütsverfassung der Juroren an diesem Tag geprägt sein und entzieht sich jeglicher Kontrolle. Das unbegründete Fehlen von Vorgaben weckt den Verdacht, dass man sich nicht ausreichend Gedanken gemacht hat oder die verschiedenen Gedanken nicht auf einen Nenner bringen konnte oder man mit dem ganzen Verfahren überfordert ist. Es mag natürlich noch ganz andere Gründe geben. Die hätte ich vielleicht erfahren können, wenn man mir geantwortet hätte.

Die Kreativität der Künstler wird also hauptsächlich durch den zur Verfügung stehenden Geldbetrag eingeengt. Theoretisch kann sie so weit gehen, dass Projekt in dieser Form in Frage zu stellen. Das tue ich hiermit. Dann kann man die 22 000 € sparen und vielleicht als Grundstock für ein Projekt nehmen, dass vielleicht weniger spontan, dafür aber durchdachter ist. Mein Beitrag zu diesem Wettbewerb sieht deshalb so aus und ich wünsche mir viele ähnliche Beiträge. Vor allen Dingen wünsche ich mir, dass die Kostenfrage nicht Vorrang vor dem künstlerische Beitrag erhält. Kann sich das Ergebnis sehen lassen, dürfte auch die Kostenfrage kein Problem sein.

Auch der Ort, an dem das Denkmal aufgestellt wird, spielt für seine Wirkung eine große Rolle. (Reaktionen auf den Kubus mit den Erinnerungsgegenständen, der Groll der Nachbarn, belegen dies.) „Wesentlich länger dauert wohl die Ausschreibung für eine Gedenkstätte der Loveparade-Opfer. Im Kulturausschuss im November soll weiter darüber beraten werden. Es wird voraussichtlich eine europaweite Ausschreibung geben. Auch die Standortfrage ist noch nicht abschließend geklärt. „Das wird nicht in den nächsten zwölf Monaten über die Bühne gehen.““(DERWESTEN 29.09.2010) Laut Tagesordnung soll am 16. November im Kulturausschuss über die Bildung einer Kommission „Gedenkstätte Loveparade“ berichtet werden.

Mir ist als geeigneter Platz für eine „Gedenkstätte Loveparade“ nur der Bahnhofsvorplatz eingefallen. Er ist ausreichend nahe am Ort des Geschehens. Das von mir entworfenen Denkmal (oder jedes andere auch) erhält dort die Chance, jeden Tag von vielen Augen betrachtet zu werden und seine Wirkung entfalten zu können, die von Liebe und Hoffnung geprägt sein sollte. Es gibt sicher die Möglichkeit, eine europaweite Ausschreibung zu umgehen. Die Gedenkstätte sollte sich in das Stadtbild einfügen und möglicherweise ein Gegenpol zum Lifesaver  von Nikki de Saint Phalle sein, der als Lebensretter, als Symbol für die Stadt, offensichtlich versagt hat. Durch die damit verbundene öffentliche Beachtung könnte die Wirkung der Gedächtnisstätte verstärkt werden.

Nach meiner Auffassung sollten sich Gedenkstätte und Denkmal  am gleichen Ort befinden und gemeinsam von den Gefühlen der Duisburger Bevölkerung getragen werden. Mein Vorschlag sieht sogar vor, dass Gedächtnisstätte und Denkmal zusammenfallen. Eine Ruhezone im hektischen Betrieb, wenn man das Umfeld gleich mitgestaltet. Dies (die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes) sollte die Bezirksregierung der Stadt erlauben müssen.

Hier meine Bewerbung

Anfang Oktober habe ich zu meinem Minotaurus gefunden. Angedacht war ursprünglich ein roter Block, der die Gaben Duisburger Bürger (auch die roten Luftpumpen) aufnehmen sollte. Meinem Luftpumpenfeld hatte ich abgeschworen und auch der Vorschlag eines roten Herzens aus Rot gestrichenen Luftpumpen brachte mich nicht weiter.

Der Minotaurus ist ein Stier/Menschwesen aus der griechische Sagenwelt, dem Jungfrauen und Jünglinge geopfert wurden. Mehr interessiert hier nicht. Heute kann er vieles sein. Daraus ergibt sich die Verbindung zur Loveparade, der unschuldige Besucher zu Opfer fielen. Das ist leider keine Sage.

Der Minotaurus von Duisburg ist tot, von einer Lanze durchbohrt. Jetzt kann die Stadt wieder leben! Das kann jeder sehen. Aber auch das Unheil, dass er über die jungen Menschen gebracht hat , ist gegenwärtig.

Der Minotaurus begrüßt auf dem Bahnhofsvorplatz die Besucher der Stadt. Unübersehbar. Größe und Farbe sind so auffällig, dass der Anblick der Skulptur unweigerlich das Gedenken an die Opfer der Loveparade heraufbeschwört. Eine erklärende Tafel neben  der Gedenkstätte wird nicht benötigt, weil diese Gedenkstätte sofort als solche erkannt wird. Der Pfeil zwischen den Hörnern hat den Minotaurus getötet. Er erscheint wie ein Himmelsleiter. Wie die Stange bei der Feuerwehr, die den schnellen Einsatz ermöglicht. „Wenn doch die jungen Leute nur diese Rutsche zurück zur Erde benutzen könnten.“

Wie oben bereits angedeutet, ist der Minotaurus aus einem roten Block entstanden, dem quasi Hörner gewachsen sind und den ich einer farblichen Gestaltung im Sinne meiner Malerei unterzogen habe. Die Lanze dazwischen ist auch eine Hommage an die Himmelsleiter des Forums und soll so den Gedankensprung in die Innenstadt ermöglichen. Schon während der Anfertigung des Models hatte ich das Gefühl, einen Dom in meinen Händen zu halten. Das Model hat keine Beine. Die habe ich hinterher am Computer dazugefügt. (Ohne diese Beine stehen verschiedene Ansichten des Models unter www.deapo.de)

Der Minotaurus ist begehbar. Er ist innen gewölbt und schwarz ausgekleidet. Man schaut in einen himmelblauen Sternenhimmel von unendlicher Weite. Die Sterne, die die Namen der Verstorbenen tragen bewegen sich optisch in einer Ebene. Die Vornamen sind gleichgroß geschrieben und vom Standort des Betrachters zu lesen, Die Nachnamen variieren ihrer Länge entsprecht in der Höhe, wenn man sich nicht nur auf die Vornamen beschränken will. Die Sterne sind ungleich aber ähnlich geformt. Jeder Stern ist individuell gestaltet. Er könnte auch das Antlitz des Opfer andeuten. (siehe Beispiel) Der Himmel dreht sich ganz langsam und mit ihm die Sterne und auf den schwarzen Wänden leuchten nach dem Zufallsprinzip die Namen der Opfer auf, die den Besuch der Loveparade nicht mit ihrem Leben bezahlt haben. Dem Himmel gegenüber befindet sich eine kreisrunde Sitzbank auf dem Boden, die sich dem Himmel entsprechend ganz langsam mitdreht. Beim Betreten des Raumes zeigt ein schwaches Licht den Weg zur Bank. Wenn man aufsteht geht das gleiche Licht an, das den Besucher zum Ausgang geleitet. Es geht sonst auch nach eine bestimmten Zeit des Gedenkens wieder an, so dass neue "Gedenkbesucher"die Bank wieder neu besetzen können. Die Maximalzahl der Besucher wird in geeigneter Weise geregelt.

Man läuft auf einer dicken Glasscheibe, die den Blick frei lässt auf die in Kunststoff gegossenen Gegenstände aus dem Kubus, die nur so schwach beleuchtet sind, dass das Gedenken nicht gestört und das Gehen erleichtert wird. Man bewegt sich vom Eingang her in einer Doppelspirale zu der Sitzbank, Zugang und Abgang werden so getrennt und die Besucher behindern sich nicht gegenseitig. Der Zugang könnte über einen Münzautomaten am Eingang gesteuert werden, so dass durch Eintrittsgelder der Unterhalt des Kunstwerkes. Säuberung, Restauration und Bewachung sich selbst finanzieren. Zu der Ausstattung des Inneren gäbe es noch viel zu sagen und da sollten auch die Betroffenen mitreden dürfen bzw. ihre Angehörigen. Die Kosten für dieses Projekt dürften sich in Millionenhöhe bewegen. Das Preisgeld reicht für ein Model aus, das bis zur Verwirklichung das Gedenken ins Rathaus trägt.

Man kann zwar behaupten, dass eine solche Gedächtnisstätte sich zu einer Touristenattraktion entwickeln könnte, vor allen Dingen dann, wenn die Namen der Besucher sich Speichern ließen und ebenfalls nach dem Zufallsprinzip in einer anderen Farbe auf der schwarzen Wand erscheinen würden und/oder automatisch auf Wunsch des Besuchers der Name einer Liste im Internet beigefügt werden. Es wäre möglich, einen kurzen Film zu zeigen, der eine Brücke zu den Opfern schlägt, sie für einen kurzen Augenblick lebendig macht. Ich selbst habe keine Angst davor, dass die erlebte „Sensation“ das Gedenken verdrängt. Vielmehr halte ich es für wichtiger, dass sehr viele Menschen - mehr als bei gewöhnlichen Denkmälern- in unserer reizüberfluteten Welt für das Gedenken innehalten.

Die Eigenart der Gedächtnisstätte würde dazu führen, dass man schon beim Anblick innehält ohne verschreckt zu sein und die Opfer der Loveparade in dem  Gedenken weiterleben können, auch wenn man die Gedenkstätte nur aus der Ferne wahrnimmt.

 

Rudolf Kley 13.11.2010

Plädoyer für "Die Liebe bleibt!"

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