
Projektvorschlag „Luftpumpenfeld“ für die Kulturhauptstadt 2010 vom
27. September 2007
Sehr geehrte Damen und Herren
2010 soll der Geist von van Gogh aus einem gelben Luftpumpenfeld im
Ruhrgebiet auferstehen und dem erweiterten Kunstbegriff seinen
Eigennamen geben. Alle Bürger, insbesondere die, die hier im
Ruhrgebiet und in den europäischen Partnerstädten der
Ruhrgebietsstädte wohnen, werden gebeten, sich mit ihrer Luftpumpe
an diesem Projekt zu beteiligen und hinsichtlich der Auferstehung
und Namensgebung eigene Ideen zu entwickeln. Unabhängig vom Ort der
Durchführung dieses Projektes hoffe ich auf eine solidarische
Beteiligung der Ruhrgebietstädte nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Rudolf Kley
Erläuterungen
Veranstaltungsort kann
jede Stadt im Ruhrgebiet sein, jeder kann teilnehmen, europaweit.
dieses Schreiben war zunächst
nur für das zuständige Büro in Duisburg gedacht. Beim Schreiben
dieser Zeilen habe ich dann aber erkannt, dass in dieser Aktion auch
eine Chance für alle anderen Ruhrgebietsstädte liegt, sich mit einer
Beteiligung an diesem Projekt als Teil einer großen Kulturregion
darzustellen. Deshalb schreibe ich auch Sie jetzt an, zumal der Ort,
an dem das Projekt 2010 letztendlich durchgeführt wird, noch nicht
feststeht. Dies hängt insbesondere von besonders günstigen Rahmen-
und sonstigen Bedingungen ab, die die Stadt, die den Zuschlag
erhält, der Aktion gewährt. Offen wie der Veranstaltungsort ist
dieses Projekt auch für alle Menschen, unabhängig von der
geografischen Lage ihres Wohnortes, wobei es verschiedene
Möglichkeiten einer Beteiligung gibt. Die Bürger könne sich mit
einer Luftpumpenspende beteiligen und sie können mit eigenen
Vorstellungen die Aktion selbst beeinflussen. Das Projekt wird auf
jeden Fall stattfinden, auch ohne offizielle Unterstützung.
Selbstverständlich hoffe ich auf das Gegenteil, sonst würde ich ja
nicht diesen Brief schreiben.
Beruf und Berufung, Befreiung der
Kreativität, dazu Wesen von Gesundheit, ergibt logistische
Problemlösung
Das unten näher beschriebene
Projekt bewegt sich von Anfang an auf verschiedenen Ebenen. Auf der
einen Seite soll es eine Beitrag zur Befreiung der Kreativität im
rein bildnerischen Bereich sein. Kreative Beschäftigung habe ich
schon vor fast dreißig Jahren bei der Gründung der Kulturwerkstatt
Meiderich immer als eine gesund erhaltene Maßnahme propagiert. Es
ist aber auch andererseits ein Beispiel dafür, wie auf originelle
Weise kreativ auf Probleme in einem anderen elementar wichtigen
Lebensbereich aufmerksam gemacht werden kann. Es wird z.B. auch sehr
viel Kreativität erforderlich sein, um den Bürgern ein gut
funktionierendes Gesundheitswesen, zu erhalten, Verbesserungen
inbegriffen. Hier treffen bei mir selbst wohl Beruf und Berufung
zusammen. Jedenfalls sehe ich spätestens seit dem Jahr 2 000 in dem
Endergebnis, dem Luftpumpenfeld, auch ein Gesundheitsmahnmal.
Deshalb bitte ich auch meine Apothekerkolleginnen und Kollegen, sich
bundesweit für dieses Projekt zu engagieren.
http://deapo.de/Apothekertag.htm
http://deapo.de/images/aktionen/pz-apotag.jpg Wenn
viele mitmachen, sind auf einen Schlag zwei Probleme gelöst. Bei 24
000 Apotheken in Deutschland und einer entsprechenden Beteiligung
des Apothekenpersonals und der Kunden sollte es möglich sein, die 30
000 benötigten Luftpumpen schnell zusammenzubekommen. Dies wird
sicher erleichtert, wenn es sich um eine offizielle Veranstaltung
handelt. (Anderenfalls bin ich darauf angewiesen, dass die
Trotzreaktion bei den Kollegen im Sinne von „Jetzt erst recht!“
Früchte trägt, was mir im Ergebnis aber unsicherer erscheint.) In
dem Augenblick, wo die Apotheke als Luftpumpensammelstelle fungiert,
ist auch das Problem gelöst, wie ich dann an diese Luftpumpen komme.
Das Sammeln kann ich dann auf Europa ausdehnen, z.B. auch über die
Berufskollegen in diesen Ländern, über internationale
Apothekervereinigungen. Wie bereits erwähnt habe ich in der
kreativen Beschäftigung immer auch einen guten Teil
Gesundheitsvorsorge gesehen. Aber nur, wenn man auch in diesem
Bereich nicht falschen Maßstäben nachläuft. (An dieser Stelle
schließt sich – wie Sie unten sehen werden - der Kreis zu meinem
Luftpumpenfeld. Die Entwicklung im Gesundheitswesen mit ihren
Maßstäben ist in vielerlei Hinsicht bedenklich. Inzwischen diktieren
die Rabattverträge der Krankenkassen, welche Medikamente ein Mensch
einzunehmen hat. Einer solchen Entwicklung kann man kein Denkmal
setzen, nur ein Mahnmal. Bezüglich der Entwicklung im
Gesundheitswesen könnte man fast meinen, dass ich den Geist von van
Gogh aus einem Luftpumpenfeld auferstehen lassen will, weil wir
inzwischen im Gesundheitswesen von allen anderen guten Geistern
verlassen worden sind.) Deshalb hoffe ich darauf, mit dieser Aktion
nicht nur Kunstinteressierte Bürger anzusprechen, sondern möglichst
viele Menschen zu erreichen, die sich mit ihrer Luftpumpe gegen
unzumutbare Zustände in wichtigen, auch ganz anderen
Lebensbereichen zur Wehr setzen. „Hochkultur“ auf Glanzpapier? Wer
braucht diese Hochkultur angesichts der vielen offenen Probleme
wirklich? Brot und Spiele? Leuchttürme im Sandkasten? Keine Angst,
ich habe persönlich nichts gegen Leuchttürme. Erinnern sie mich doch
irgendwie von der Form her an meine Luftpumpen. Von mir aus kann es
deshalb ein ganzes Feld solcher Leuchttürme geben. (Gerade stelle
ich mir ein Video vor, auf dem sich die Luftpumpen in einer Art
Metamorphose in Leuchttürme verwandeln.)
Schluss nach 24 Jahren
Hiermit bitte ich Sie von
ganzen Herzen um Unterstützung für dieses Projekt, dass ich seit 20
Jahren verfolge – und das mich inzwischen fast verfolgt. Anlässlich
„Essen Kulturhaupstadt 2010“ möchte ich es auf jeden Fall zu Ende
bringen und bewerbe mich deshalb hiermit, zugegebenermaßen etwas
formlos, um keine Termine zu versäumen. Ich glaube fest daran,
dieses Projekt mit Ihrer Unterstützung durchführen zu können.
„Vielfalt und die Authentizität“ und Selbstbewusstsein der Kultur im
Ruhrgebiet lassen sich schwerlich besser illustrieren, auch wenn
dies nicht das Thema meiner Aktion ist.
Nicht das „Wo“, sondern das „Wie“ ist
entscheidend
Der Ort, an dem die Aktion
stattfindet, ist mir eigentlich fast egal. Er muss für Menschen,
viele Menschen erreichbar sein, da die Aktion nicht im stillen
Kämmerlein stattfinden soll. Am Ende soll ein erlebbares Spektakel
stehen, dass einen tiefen Eindruck bei den Anwesenden hinterlässt
und das Gefühl, dass es wichtig war, dabei gewesen zu sein. Ob
dieses Gefühl größer und nachhaltiger sein wird, wenn man die
Relikte hinterher beseitigt oder an einen anderen Ort des Staunens
verbringt, möchte ich an dieser Stelle offen lassen, wie so vieles
andere auch, denn ich möchte die Menschen mit ihrer Phantasie
einbinden, sie mitwirken und auch entscheiden lassen. Auf diese
Weise möchte ich die Aktion fest in ihrem Herzen verankern – aber
auch in ihrem Verstand und ihrem Denken.
Worum geht es eigentlich?
Es geht lediglich „nur“ um die
Auferstehung des Geistes von van Gogh. Dies soll nicht nur im Geiste
sondern auch optisch sehr eindrucksvoll geschehen. Sein Mythos hat
mich in der Schulzeit berührt und in mir nachhaltig Maßstäbe
gesetzt. Richtig bewusst geworden ist mir dies, als ich 1986 im
Kröller Müller Museum vor seinem Weizenfeld mit schwarzen Raaben
stand und mir ein Satz durch den Kopf ging, den ich gerade in einem
Kunstdidaktischem Werk gelesen hatte und den ich so nicht zutreffend
fand: „..Andererseits würden wir nicht auf die Idee kommen, das
Verständnis für Kunst an einer Luftpumpe zu erproben...“ Da stand es
in Gedanken schon vor mir, dieses Feld aus gelben Luftpumpen, die
Rekonstruktion des Feldes, in dem Vincent van Gogh sich –auf welche
Weise auch immer- tödlich verletzt hat. Zu diesem Zeitpunkt näherte
ich mich vom Alter her der Zahl 40. Vierzig Jahre war mein Vater
alt, als er starb.
http://www.deapo.de/2-dergrundsteinfuerdieMalerei.htm
Damals war ich gerade 9 Jahre alt. Mein 7 Jahre älterer Bruder
wurde nur knapp über 40 Jahre alt, war zu diesem Zeitpunkt also auch
schon tot. Als ich dann 1986, kurz nach dem Museumsbesuch, vierzig
Jahre alt wurde, schlug die Geburtsstunde für das Luftpumpenfeld. An
diesem Tag ließ ich mir die ersten Luftpumpen für das Feld schenken
und hatte als Zahl der benötigten Luftpumpen die Zahl 30 000
festgeschrieben. (Alle guten Dinge sind drei, dann ist das
zigtausendfache davon noch besser) Für mich war das Überschreiten
dieser Jahreszahl 40 gleichbedeutend für das Überschreiten einer
ganz wichtigen, persönlichen Grenze. Mein Freiheitsgefühl machte
einen Riesensprung und der Tod, als mein bisheriges Leben oft
beherrschendes Moment, trat zurück.
Nahe dran
Im Laufe der vergangenen
zwanzig Jahre bekam ich anlässlich von Ausstellungen und Aktionen
viele Pumpen geschenkt. Leider nicht annähernd so viele, wie ich für
das Luftpumpenfeld benötigt hätte. Ein kleines Feld führte ich oft
bei Aktionen und Ausstellungseröffnungen mit, um zu zeigen, dass die
Luftpumpen am Ende rein optisch schon ein Feld ergeben können und
ich brachte die Ausstellungsbesucher dazu, van Gogh tatsächlich ihr
Ohr zu leihen. Einen gewissen Eindruck können Sie hier gewinnen:
http://www.deapo.de/ESSEN.htm
In Münster hätte es im Jahr 2000 mit dem öffentlichen Schwung, den
die persönliche Übergabe seiner Luftpumpe durch Johannes Rau sicher
mitgebracht hätte, fast geklappt, die benötigten Luftpumpen
zusammenzubringen. Alles war vorbereitet. Ort sollte eine Wiese vor
dem Polizeipräsidium sein und der Weg vom Picasso-Museum, das
Johannes Rau vorher eröffnen sollte, war schon abgesteckt. Doch dann
wurde der Bundespräsident zu dem geplanten Zeitpunkt an der
Bauchschlagader operiert und konnte deshalb weder das Picasso
Museum einweihen noch mir seine Luftpumpe überreichen. (Die
Schwierigkeiten, die die Umwidmung des Feldes meinerseits in ein
Gesundheitsmahnmal nach sich gezogen hatten und die zu Ärger mit dem
Bundespräsidialamt geführt hatten, waren so gut wie ausgeräumt.
http://www.deapo.de/images/gesundheitswesen/rau.jpg
Jede Polizeidienststelle in Nordrhein Westfalen war vom
Polizeipräsidenten angehalten worden, für mich Luftpumpen entgegen
zu nehmen.)
Kunst ist Kohl! Am
Anfang war die Malerei.
Nach „Kunst ist Kohl“,
http://www.deapo.de/3a-kunstistkohl2.htm
meiner ersten Beschäftigung mit Aktionskunst 1981, die mich so weit
an den Vereinbarungscharakter von Kunst führte, dass ich am Ende gar
nicht mehr wusste, warum ich überhaupt malen sollte und mir eine
Gitarre kaufte, kam mit meinem Guinnessrekordbild „1100 Meter
Stattgeschichte“ nach einem Jahr die Motivation wieder. Hier konnte
ich jetzt zeigen, wie bei mir Bilder immer wieder nur aus Bildern
entstehen. Gleichzeitig habe ich mich im ganzen Leben bei der
Malerei nie so frei gefühlt – z.B. kein Gedanke an Verkauf, weil die
Bilder ohnehin für die ARD Fernsehlotterie angeboten wurden usw..
Noch heute, ein viertel Jahrhundert später, kann ich jedes der
entstandenen Bilder gut ansehen und stehe noch heute voll zu dieser
Aktion.
http://www.deapo.de/stattmeter.htm
Nur eines hat sicher nicht funktioniert. Die Bildfülle bei der
Ausstellung in Essen 1985 hat mich derartig erschlagen, das ich mir
nicht vorstellen kann, dass irgend jemand wirklich nachvollziehen
konnte, wie Bilder immer wieder aus Bildern entstehen. Die
Ausstellung in Essen hat bei mir einen solchen positiven Eindruck
hinterlassen, dass ich ganz spontan auch an Essen als Standort für
das Luftpumpenfeld gedacht habe, als ich zum ersten Mal eine
Beteiligung in Betracht zog.
Kunst ist
eine Sache der Vereinbarung, Qualität von Kunst demnach auch. Am
besten ist, man hält sich nicht daran!
Mit der Luftpumpe habe ich die
Frage danach, wie Qualität von Kunst gemessen wird, aufgegriffen.
http://www.deapo.de/hilfe.htm
http://www.deapo.de/ESSEN.htm http://www.deapo.de/ruhrgebiet.htm
Klar ist, wenn Kunst Vereinbarungscharakter hat, dann trifft dies in
gleichem Umfang auch für ihre Qualität zu. Wie kommen diese
Vereinbarungen zustande, mit welchem Recht werden sie
verallgemeinert und höhlen möglicherweise die Kreativität
derjenigen aus, die sich gerne bildnerisch betätigen möchten, diese
Vereinbarungen aber nicht nachvollziehen können? Hatte ich meine „
1100 Meter Stattgeschichte schon als Plädoyer für die Freiheit
meiner Malerei angesehen und gehofft, dass Betrachter durch mich
animiert werden, ihren Pinsel auch einfach mal frei schwingen zu
lassen, so habe ich mit der Frage nach den Maßstäben für Kunst, im
engeren Sinn für Malerei, diesen Befreiungsprozess fortgesetzt, der
dann mit der „Auferstehung des Geistes von van Gogh“ und dem
Zurechtrücken seines Mythos hoffentlich zu einem guten Ende kommt.
Geist von
van Gogh soll den „erweiterten Kunstbegriff“ taufen. Bevölkerung
kann Ablauf und Namen bestimmen.
„Jeder Mensch ist ein
Künstler.“ Was der Mensch dabei tatsächlich ist, was ihn tatsächlich
zum Künstler macht, kommt ganz auf die Brille oder den
Gesichtswinkel an, unter dem man ihn betrachtet oder wer diesen Satz
ausspricht. Van Gogh hätte darunter sicher etwas anderes verstanden
als Josef Beuys. Beuys habe ich 1981 vorgeworfen, dass er seinem
Wirken selbst im Weg steht, weil sein „erweiterter Kunstbegriff“
allein schon vom Namen her bei seiner Zielgruppe – und das sind eben
nicht nur seine Studenten und Anhänger- Verwechslungen zulässt. Nach
einer Bedenkpause hat er dann gesagt: „Mach Du es !“ (Die Diskussion
ist vom Forum Duisburg videoaufgezeichnet worden.) Da der
Zeitungsbericht „Kley gegen Beuys. Das ging dem Meister über die
Hutschnur“ in der Rheinschen Post dieses Ergebnis nicht enthielt,
habe ich den Artikel seinerzeit direkt diesbezüglich durch einen
Leserbrief korrigiert.
http://www.deapo.de/alledu/images/2006/a2.jpg Den
erweiterten Kunstbegriff habe ich damals „ARTART“ genannt. (Hier das
ARTART-Manifest http://www.deapo.de/alledu/images/2006/a1.jpg
) An der Auferstehung des Geistes von van Gogh und dem Taufakt
selbst möchte ich die Gestaltungskraft der Bürger mit einbinden und
werde sie deshalb ohne Ansehen der Person, Alter oder Nationalität
diesbezüglich um Vorschläge bitten. Deshalb sind verbindliche
Einzelheiten zum Ablauf der Aktion etc. zu diesem Zeitpunkt noch
nicht möglich. Die Kommunikationswelle muss erst noch erst in Gang
gesetzt. Es wäre sicher hilfreich, wenn ich an dieser Stelle auch
auf Sie als Multiplikator zählen könnte.
Noch mal zum Ort
„Luftpumpen für die
Europäische Kulturhauptstadt Essen 2010.“
http://www.deapo.de/ESSEN.htm
Natürlich habe ich in diesem Zusammenhang zunächst einmal als
Aufstellungsort des Feldes an Essen, an die Gruga gedacht. Dafür
sprachen die guten Erfahrungen bei der Ausstellung meines
„Marathonbildes“ in Essen. Der tatsächliche Ort ist aber für mich
eigentlich sekundär. Das Feld gehört wie gesagt dahin, wo die
Rahmenbedingungen am besten sind und ich für diese Idee die besten
und einflussreichsten Freunde gewinnen kann, die meine Idee in alle
Winkel dieser Republik weiter tragen. Man muss ja meine
Vorstellungen nicht teilen – ich meine in künstlerischer Hinsicht.
Gerade dies unterstreicht doch die Freiheit in diesem Bereich, die
gegen alle Kräfte energisch verteidigt werden muss, die Kunst in ein
Korsett zwingen wollen. Was man bei dieser Aktion auch sehen sollte,
ist ihre öffentliche Wirksamkeit, die sich mit der richtigen Hilfe
in den nächsten 2 Jahren um ein Vielfaches der bisherigen Arbeit
potenzieren lässt. Was auch für den Erfolg dieser Aktion auf der
anderen Seite unabdingbar ist.
Ist
Transparenz eine Gefahr oder die Hoffnung?
Natürlich braucht Europa diese
Aktion. Es gibt keinen Grund für Bescheidenheit. Vincent van Gogh
ist eine der bekanntesten Figuren der jüngsten europäischen Kunst-
und Kulturgeschichte. Sein Einfluss ist noch lange nicht ausgereizt.
Manchmal ist aber auch ein kritischer Abstand erforderlich, vor
allen Dingen dann, wenn es um die Einbindung seiner Kunst – hier
stellvertretend für bekannte Künstler– in den Kunsthandel geht. Es
ist an der Zeit, die Beurteilungskriterien von Kunst transparent zu
machen bzw. auch ihre Subjektivität und damit objektiv gesehene
Unverbindlichkeit offen zu legen, was zugegebenermaßen erheblichen
Einfluss auf öffentlicher Förderungsmassnahmen, öffentliche Ankäufe
etc. haben kann und möglicherweise auch das ein oder andere
Vorurteil nur bedient. Doch sollte man diese einmalige Chance für
mehr Transparenz nicht ungenutzt vorbeigehen lassen.
Kunst als Volksbewegung
Endlich kann sich bei
dieser Aktion auch einmal der Bürger -mit seiner Luftpumpe- zur Wehr
setzen, der sonst ungefragt alles mögliche Schlucken muss. Jetzt
kann er endlich etwas dagegen tun. Der Verlust von Hilflosigkeit ist
unmittelbar mit dem Gewinn neuer Erfahrungen und Erkenntnisse
verknüpft. Mir ist noch ein Satz eines Bürgers bei meiner Aktion
„Kunst ist Kohl“ im Ohr „Sie sind der erste Künstler, der mich nach
meiner Meinung fragt und daher erhalten Sie auch eine Antwort von
mir."
http://www.deapo.de/3a-kunstistkohl2.htm
Mein Luftpumpenfeld bietet die große Chance
der Begegnung von Menschen, die der Kunstbetrieb fast betriebsblind
gemacht hat, mit Bürgern, die diesen Betrieb auf Grund seiner
mangelnden Transparenz nicht sehen wollen.
Voll im Thema
Außer acht gelassen darf
ferner nicht, dass der Titel „Kulturhauptstadt“ für sich sicher
überaus diskussionswürdig ist, eine solche Diskussion sich aber
erübrigt, wenn man sich unter den Mantel einer solchen Veranstaltung
begibt. Dazu gehört, dass man mit seinem Beitrag die
Themenschwerpunkte bedient. Natürlich kann das Luftpumpenprojekt
die regionale Stadtlandschaft nicht mitgestalten, aber sie kann die
Menschen, die dort wohnen durch ihre Teilnahme an diesem Projekt
einander näher bringen, weil es nicht das Projekt einer einzelnen
Stadt ist. Gibt es einen besseren Beweis als das Luftpumpenfeld am
Ende dafür, das Ruhr 2010 ästhetische Erlebnisse ohne Grenzen
vermittelt und hier ein einzigartiges kreatives Milieu vorliegt?
Damit wird natürlich auch das Thema Kreativwirtschaft berührt, weil
es Kreativität als Wachstumsfaktor braucht. Sicher, die Luftpumpe
ist bisher nicht als Bestandteil irgendeiner Imigrantenkultur
bekannt. Durch die Möglichkeit, sich ausnahmslos an diesem Feld
beteiligen zu können, wird sicher auch das „Wir-Gefühl“ stärken und
damit eine gute Vorraussetzung für die Integration schaffen. Die
Äußerungen der Teilnehmer zu der Aktion, zum Ruhrgebiet schriftlich
mit Bild oder per aufgezeichneten Interview-Video können vorab schon
auf einer speziellen Webseite untergebracht und damit weltweit
zugänglich gemacht werden. Hierzu sollte jeder Teilnehmer eine
Chance erhalten, ob er nun im Ruhrgebiet wohnt oder nicht. Das wäre
dann ein gutes Beispiel für die schon vorliegende die Strahlkraft
des Ruhrgebietes, die es nur noch zu bündeln gilt.
30 000 Luftpumpen, und keine weniger
aber nach Möglichkeit aber viele mehr, auch aus dem Ausland
Für das Erstellen des
Luftpumpenfeldes spielt die Anzahl von 30 000 Luftpumpen die Rolle
einer Untergrenze. 30 000 Zusagen aus der Bundesrepublik innerhalb
kürzester Zeit sollten dafür sorgen, dass diese Idee auch in das
benachbarte Ausland, zu unseren europäischen Nachbarn überspringt.
(Auch wer nicht in der EU wohnt, kann sich natürlich grundsätzlich
beteiligen.) Hierfür soll insbesondere in den europäischen
Partnerstädten geworben werden. Eine Aufgabe, die vielleicht die mit
diesem Schreiben angesprochenen Städte im Ruhrgebiet übernehmen
könnten. Jeder, der die Zusage für eine Luftpumpenspende gibt, kann
sich mit seinen Vorstellungen auch grundsätzlich daran beteiligen,
in welcher Weise der Geist von van Gogh auferstehen soll, so dass
das Ende dieser Veranstaltung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
offen ist und seine Einschränkung nur durch ordnungspolitische
Gesichtspunkte, Machbarkeit und Sponsorenmittel etc. erfährt.
Ursprünglich hatte ich ja schon mal daran gedacht, ihn mit
Trillerpfeifen zu wecken und herauszulocken.
http://www.deapo.de/images/Archiv/Luftpumpe/LUFT8.JPG