An den „Bürgerkreis Gedenken“
Wie die meisten Menschen, habe ich normalerweise eine
Aversion dagegen, dass sich Menschen – Künstler sind auch nur Menschen - im
Zusammenhang mit irgendwelchen Katastrophen, hier die
Loveparade-Katastrophe, besonders hervortun und damit die Aufmerksamkeit von
dem Ereignis auf die eigene Person lenken. Sobald Künstler am Werk sind,
besteht diese Gefahr immer, wenn auch vielleicht für die Betreffenden
unterbewusst.
Indem man die Auswahl auf einen Duisburger Künstler
beschränkt, erzeugt man den Eindruck, als ob Duisburger Künstler besonders
betroffen wären und diese Betroffenheit, die sie wohl mit allen Duisburger
und auch mit Bürgern und auch Künstlern außerhalb von Duisburg teilen, in
ihrem (Auftrags-) Werk besonders gut ausdrücken könnten. Ich halte dies für
ein Vorurteil, das durch nichts belegt ist. Genauso wenig sagt z.B. die
Spendenhöhe für ein Gedenkmal etwas über die Betroffenheit der Bevölkerung
aus oder spricht etwa dagegen.
Grundsätzlich denke ich, das jeder Mensch, der sich
durch das Ereignis so betroffen fühlt, dass er in einer besonderen Weise
tätig werden will, von dem am Ende ausgewählten Künstler auch ein solches
Angebot erhalten sollte. Sei es, dass er sich einen Stein besorgen kann und
mit ihm an dem Bau einer Gedenkstätte mitwirken kann. Da die Namen der Toten
der Stadt nicht bekannt sind und ihre Religionszugehörigkeit damit auch
nicht feststeht, sollte eine solche Stätte nicht eine besondere
Religion - z.B. das Christentum- repräsentieren.
Das ich mich mit diesem Brief bei Ihnen zu Wort
melde, liegt daran, dass ich im Vorfeld vehement für die Durchführung der
Loveparade eingetreten bin. Dabei bin ich natürlich wie alle, vor allen
Dingen die Besucher der Veranstaltung, davon ausgegangen, dass die
Sicherheit der Besucher vom Veranstalter, von der Polizei, von der Stadt
gewährleistet wird. Die eingetretene Konstellation an Fehlern und Versagen
war nicht vorhersehbar, sonst hätte ihr ja vorgebeugt werden können. Auf
jeden Fall fühle ich mich aber in einer Weise mitverantwortlich, dass ich
meine Lebenswerk, in das ich 24 Jahre Arbeit gesteckt habe, nicht wie
ursprünglich geplant weiterführen kann. (Der Geist von van Gogh sollte aus
einem gelben Luftpumpenfeld auferstehen, der erweiterte Kunstbegriff einen
Eigennamen erhalten und die Luftpumpe als Qualitätsmaßstab für Kunst
eingeführt werden. Warum
finden Sie hier )
Ich habe mich vergeblich bis zuletzt bemüht, mich in die Loveparade mit
diesem Projekt einzuklinken. Darüber gibt noch diese Pressemitteilung bei
Aufschluss:
Nach dem schrecklichen Ereignis habe ich Trauerarbeit geleistet, indem ich
sofort meine Grafik zur Loveparade überarbeitet habe.
Noch bevor der Gedenkkreis eingerichtet wurde, habe
ich mir Gedanken über die Weiterführung meines Luftpumpenprojektes gemacht.
Ich kann mir nur vorstellen, dass daraus ein Gedenkfeld wird, an dem sich
alle Bürger, Duisburger und Besucher, aktiv beteiligen können, indem sie
dieses Feld wachsen lassen, das durch seine Größe auch optisch den Grad der
Betroffenheit widerspiegelt. Nach meiner Vorstellung sollte dieses Feld im
Herzen der Stadt, z.B. auf dem Rasen vor dem Stadttheater, eine Weile stehen
bleiben und ausreichend Zeit zum Wachsen haben. Danach könnte dieses
Feld - die Luftpumpen inklusive ihrer Befestigung würden in geeigneter Weise
gestapelt, z.B. in einem Betonswürfels, am Ort des Geschehens
seinen dauerhaften Platz finden. Dieser Würfel könnte aber auch z.B.
begehbar sein und damit eine Art „Kapelle“. Dies wären so meine
Vorstellungen zu einem Gedenkmal und mein Angebot, das sicher auch ein
Prüfstein dafür ist, ob es sich bei den Trauerbekundungen um
Lippenbekenntnisse handelt oder um mehr. Ein Risiko natürlich für alle, die
aus welchen Gründen auch immer mehr daraus machen wollen. „Ehrliche
Gefühle“ ist deshalb auch mein Arbeitstitel.
Mein bisheriges Leben hat mir gezeigt, dass unsere
Gesellschaft nicht allzu ehrlich mit sich selbst umgeht. Große Chancen räume
ich meinem Vorschlag nicht ein. Zu sehr können sich die Geister daran
scheiden. Gefällige und angepasste Gefühle hasse ich aber. Jeder der
Angehörigen wird seine eigenen Vorstellungen von einem Gedenkmal haben.
Will man diese alle oder auch nur mehrheitlich berücksichtigen, benötigt man
aber einen Kunsthandwerker, keinen Künstler.
Wie dem auch sei, eine zweiten Vorschlag habe ich noch,
der nicht mit der Ausführung sondern mehr mit dem Gedenken und der weitern
Beschaffung von Geld für ein Gedenkmal zu tun hat.
Erwähnt habe ich schon meine Grafik, die nach der
Tragödie entstanden ist.
Jeder kann
sie sich aus dem Internet herunterladen und ausdrucken.
Gerne stelle ich hundert nummerierte und signierte
Grafiken kostenlos zur Verfügung. Sie werden dann meinem Kalender „Ruhrlin“
für das Jahr 2011 beigelegt, der anlässlich des Kulturhauptstadtjahres im
nächsten Monat erscheint. Die beiliegende
PDF-Datei vermittelt
einen ersten Eindruck von dem Kalender. Die Kalenderbilder sind ebenfalls
signiert und nummeriert. Der Teil der Rückwand, der als Streifen dauerhaft
sichtbar ist, wird dem Gedenkzweck von Hand angepasst, so dass jeder
Kalender ein Unikat ist. Er sollte pro Exemplar mindesten 100 € für den
Gedenkkreis, für das Denkmal einbringen. Ich stelle ihn auch nur unter
dieser Bedingung zur Verfügung. Möglicherweise lässt sich aber über
eine entsprechende Versteigerung im Internet oder sonst wo noch ein höherer
Preis erzielen. Dazu müssten allerdings Angehörige des Gedenkkreises ihre
Beziehungen spielen lassen. Alternativ könnte ich auch noch einige
„Stattmeter“ von 1983 zur Verfügung stellen, die aber nicht unter 1000 € das
Stück verkauft werden dürften. Diese Seite, auf der man Die
Stattmeter alle im Kleinformat sehen kann, ist noch im Aufbau.
Alternativ kann man auch auf die
Mülheimer Stattmeter zurückgreifen. Bitte beachten, dass ein Teil der
Bilder nicht mehr für den Verkauf zur Verfügung steht, da er sich in
privaten und öffentlichen Sammlungen befindet.
Diese biografischen
Anmerkungen reichen bis 2006
Rudolf Kley Duisburg, den 17. Aug, 2010
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