Grafik zur Leitbilddiskussion soll zur Teilnahme anregen

Apothekertage haben mich immer zur Herausgabe spezieller Grafiken veranlasst. Die Leitbilddiskussion, bzw. die Bedingungen, unter der sie stattfinden soll, haben dafür gesorgt, dass ich die Herausgabe dieses Jahr vorgezogen habe. Ein Bild sagt manchmal angeblich mehr als tausend Worte.

Was kann man mit ein bisschen Mühe auf diesem Bild lesen, auf dem sich viele Fragezeichen befinden, lesen? Im Wesentlichen „ZUM LEITBILD VERLEITET“, „ OFFENE DISKUSSION“, „NO“, „MANIPULATION“, „DURCH FRAGEBOGEN“, „DURCH RAHMENBEDINGUNGEN“, „YES“.

Ich habe geschrieben, was ich empfunden habe. Die Art der Fragestellungen haben bei mir den Eindruck erweckt, dass die Diskussion nur dazu dient, ein vorweggenommenes Ergebnis zu bestätigen. Kein Platz für Zwischentöne. Dafür aber Fragen als Anregung, die sich in der Vergangenheit als unlösbar erwiesen haben. „Wie lassen sich heilberufliche Maxime und wirtschaftliche Prämissen aus Ihrer Sicht künftig vereinbaren“ Was ist eine Maxime und was ist eine Prämisse? Wenn ich „wirtschaftliche Prämisse“ so deute, dass unter dem Strich die Apotheken-Bilanz mit einem Gewinn abschließen soll, aber gleichzeitig eine „heilberufliche Maxime“ gelebt werden soll, dann kann das unter dem Strich doch nur heißen: „Weniger verkaufen, aber an dem, was man verkauft und an der Beratung mehr verdienen!“ Das ist natürlich im Hinblick darauf, dass Kollegen 50% Rabatt und mehr geben, wirklich sehr interessant. Eine tolle Frage, bei der man sich herrlich im Kreis drehen kann. Dafür habe ich keine Zeit und die Krankenkassen, mitsamt den ihnen angeschlossenen Politiker, wollen das auch nicht hören.

„Beratung in der Apotheke nur noch auf Krankenschein“.

In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder Vorschläge gemacht, die bei dieser Leitbilddiskussion anscheinend niemand abfragen will. Dieser Vorschlag stammt von 1987, er ist aber wie neu, weil ihn damals niemand zur Kenntnis genommen hat. „Beratung in der Apotheke nur noch auf Krankenschein“. Natürlich muss diese Beratung kurz protokolliert und vom Patienten unterschrieben werden. Geld muss es geben, auch wenn es bei der Beratung z.B. nur um ein Nahrungsergänzungsmittel ging. Der „Neinverkauf“ muss zusätzlich mit einer Prämie honoriert werden, damit der „Neinverkauf“ möglicherweise zur Regel wird und die Hersteller nicht davon ausgehen können, das die Rabatte nur hoch genug sein müssen, damit unnütze Dinge weiter über den Ladentisch der Apotheke wandern. Das ist Prävention, die sich für alle Beteiligten bezahlt macht. Im Augenblick verdienen nur die Krankenkassen daran.

Inhaber einer öffentlichen Apotheke sollte „Fachapotheker für Medizin“ oder „Facharzt für Pharmazie“ sein.

Auch brandneu, nämlich von 1982. Dann muss man sich aber trauen, zwei unterschiedliche Apotheker zu „produzieren“. Einen Apotheker für Industrie und Forschung, bei dem sich alles um Chemie und Biochemie dreht und einen, der sich mit Krankheiten, die man selbst behandeln kann oder bei denen man in ärztliche Obhut gehört, sehr gut auskennt. Der sinnvolle Therapievorschläge mit und ohne Arzneimittel machen kann und der die Beratung auch von der Krankenkasse bezahlt bekommt, wenn er nichts verkauft. Einen Apotheker, der Medizin und Pharmakologie als Schwerpunkte hat, und natürlich auch etwas von pharmazeutischer Chemie versteht. Das Wichtigste aber, er spricht wirklich mit seinem „Arztkollegen“ auf gleicher Augenhöhe.

Alibifunktion der Rezepturen streichen?

O.K., die Galenik kommt dabei ein wenig unter die Räder, und die Labortätigkeit auch. Die brauchen wir dann aber auch nicht mehr, um unsere Existenzberechtigung zu beweisen. Das Rezepturproblem lässt sich lösen, da will ich aber jetzt nur kurz darauf eingehen. Viele Standardrezepturen lassen sich auch als eine Art Fertigarzneimittel in den Handel bringen. Wir Apotheker sind sicher nicht dazu da, Marketingaktionen von Ärzten zu unterstützen, die den Patienten suggerieren möchten, sie würden etwas ganz tolles nur für sie rezeptieren. In den meisten Fällen gibt es sicher Alternativen. Auf den Placebo-effekt sollte man sich in diesem Fall nicht berufen.

Identitäts-und Qualitätsprüfungen können überflüssig werden.

Mich hat immer gewundert, dass man nur davon hörte, dass Securpharm den Weg eines Arzneimittels vom Hersteller in die Apotheke lückenlos verfolgen kann, so dass die Qualität gesichert ist. Ich behaupte, dass dies auch mit Rezeptursubstanzen geht, dass Identität und die Qualität sich ebenso erfassen lassen. Darüber muss man einfach nur mal reden wollen. Wer eine offene Leitbild-Diskussion durchführt, sollte keine Tabus kennen.

Sinn von Netzwerken ist die Zuführung von Patienten?

Noch ein Wort zu den Netzwerken, den die mit der Durchführung dieser Diskussion Betrauten Damen und Herren wohl eine herausragende Rolle zuordnen. Netzwerke gibt es schon. Ich bin mir nicht sicher, handelt es sich hier um eine kostengünstigere Notlösung, die anders verkauft wird und Kollegen von der Belieferung ausschließt*, oder etwa genau darum nur um eine Gelddruckmaschine? Wird der Konkurrenzkampf damit nur auf eine andere Ebene erhoben? Muss der einzelne Apotheker jetzt auch noch gegen Netzwerke antreten? *(O-Ton Dialyse Mitarbeiter: „Das Rezept können Sie nicht beliefern, wir haben mit einer anderen Apotheke einen Vertrag!“) Sparen Netzwerke Geld, dann ist es abzusehen, dass mit den Honoraren das Gleiche wie mit den Festbeträgen passiert. Die Bundestagsabgeordneten finden da bessere Lösungen für sich. Da zeigt die von ihnen beabsichtigte automatischen Anpassung nur nach oben.

Zusammenfassung. Das olympische Feuer auf der Grafik ist da. Die Ringe sind über das Blatt zerstreut und jede Medaillenhoffnung ist völlig grundlos. Aber wie immer bei Olympia zählt die Teilnahme. Lassen Sie sich durch die Grafik zur Teilnahme anregen. Dann sollten Sie auch das Ergebnis überprüfen und bei der Interpretation mitreden dürfen. Die Diskussion zählt, das Ergebnis des Fragebogens dürfen Sie vergessen. Dieser Fragebogen ist als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung gedacht. Die muss durch eine ausführliche Diskussion mit vielen Teilnehmern neutralisiert werden. Niemand sollte sich in erster Linie auf das Ergebnis einer Auswertung dieses Fragebogens berufen dürfen. Es scheint einfach so zu sein, dass dieser Fragebogen nur gemacht wurde, um am Ende in jedem Fall eine Ergebnis vorzuweisen, das auch die Politik im Sinne einer kleinen Gruppe manipulieren kann.

Übrigens kann sich jeder diese Grafik unter www.deapo.de herunterladen und als Erinnerungsstütze ausdrucken. Ausführlicher...

Rudolf Kley