Rudolf Kley - Apotheker, Maler und Aktionskünstler
   

1992 - 1995

Hundehalter wehren sich. Ihre Hunde sind keine Kühe und die Hundesteuer keine Milch

Ein "Kunsthund", für den tatsächlich keine Steuer entrichtet werden muss

2 Kilometer Unterschriften gegen Seehofers Gesundheitsreform

Bericht in der Pharmazeutschen Zeitung zu der Ausstellung "Nur Arzneimittel sin Arzneimittel"

Die Ausstellung wurde von Kammerpräsident Rudolf Mattenklotz eröffnet.

Die Ausstellung war ein inhaltlicher Vorgriff auf die Aktion "Jeder Mensch ist ein Placebo" 1996.

In Zusammenarbeit mit der AOK ging Rudolf Kley der Frage nach, ob Farben heilen können.

 
"Hundehalter sind nicht Bürger 2. Klasse!" Bei der Bußgeldpraxis der Stadt Duisburg drängt sich 1992 dieser Gedanke auf. Auf Initiative von Rudolf Kley gründet sich die "Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V., der 1. Vorsitzender er wird und bleibt. Ihr Ziel ist die Emanzipation der Hundehalter. Die Rahmenbedingungen in der Stadt sollen nach ihren Zielen so gestaltet werden, dass Hundehalter und Nichthundehalter friedlich miteinander auskommen können. Es darf nicht länger bei den Hundehaltern einfach nur abkassiert werden. Schon bald findet als Folge der gelungenen Öffentlichkeitsarbeit ein reger Austausch mit ähnlich gelagerten Gruppierungen in der Umgebung bis Köln, Düsseldorf und Emmerich statt. Eine Vereinszeitschrift, die Hundepost wird herausgegeben. Spitzfindig erklärt Rudolf Kley Hunde zu Kunstwerken. Kunstwerke sind natürlich hundesteuerfrei. Von Stern TV erhält er dafür den Stern der Woche. TASS, Frankfurter Allgemeine und Impulse berichten darüber, um nur einige zu nennen. Rundfunk und Fernsehen verbreiten die tolle Nachricht für alle Hundefreunde. Bundesweit wird geschmunzelt.    Bei alledem kommt aber auch der Apotheker in Rudolf Kley nicht zu kurz. Er hat schon gegen Blüm protestiert. (Aufgeregt hatte der Minister einen von ihm gestalteten Handzettel in der Tagesschau vorgelegt) Gegen Seehofers Gesundheitsreform sammelt er Patientenunterschriften und fügt sie zu einem zwei Kilometer langen Beschwerdebrief zusammen. Motto „Dringend erforderliche Therapieformen werden mittelalterlichen anmutenden Behandlungsmethoden geopfert. Weil Du arm bist, musst Du eher sterben!" Aber noch eine andere Gefahr macht Kley aus. Sie betrifft die Selbstmedikation. Verstärkt drängen Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt, die mit ihrem Wirkversprechen durchaus mit Arzneimittel konkurrieren, dadurch aber auch ihre Verkehrsfähigkeit aufs Spiel setzen. Um die Verbraucher zu warnen, schreibt Rudolf Kley jetzt „Nur Arzneimittel sind Arzneimittel" als Botschaft auf seine Bilder. „5 Minuten Bildbetrachtung ersetzten die Tagesdosis bestimmter „Superpillen". Der Präsident der Apothekerkammer Nordrhein Rudolf Mattenklotz, eröffnet eine Ausstellung dieser Bilder im Oktober 1994. Die Botschaft wird auch über das Fernsehen verbreitet. Die Berliner Zeitung fordert sogar „Pinsel statt Pillen!" Frau Schreinmaker berichtet in ihren Sendungen über die wohltätige Wirkung von "Bach-Blüten-Essenzen". Das erzeugt eine Riesennachfrage. Mancher Apotheker sagt sich da vielleicht "Wer heilt, hat Recht." und hält seine Nase in den Wind, bis sie vergoldet ist. Vorrätig dürfen Bachblüten nicht gehalten werden. Die Lagerhaltung ist verboten. Darauf weist Rudolf Kley in einem Informationszettel hin. Schilder im Schaufenster eines Kollegen "hier Bachblüten" sprechen deshalb für sich. Der Fall wird im "Sommerloch" von der lokalen Presse und der Apothekerzeitung aufgegriffen. Bald ist von einem "Bachblütenkrieg" die Rede.
 
 
Rundschreiben von Rudolf Kley, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Duisburger Hundesteuerzahler e.V., vom 19. Februar 1994 an die Mitglieder dieses Vereins.



Liebe Hundefreunde!

Die Regelungen für die Hundehaltung in der Stadt Duisburg übersteigen den gesunden Menschenverstand. Duisburger Hundehalter wissen das.
Gespräche der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V. mit der Stadt Duisburg haben wenig gebracht. Die Stadt ist auf praktikable Vorschläge der Interessengemeinschaft nicht eingegangen und beabsichtigt anscheinend auch nicht, dies in Zukunft freiwillig zu tun.
Die Hundehalter können ihre Forderungen- z.B. nach mehr Auslaufflächen für Hunde- nicht dadurch unterstreichen, dass sie mit dem wirksamsten aller Mittel, mit der Einstellung der Hundesteuerzahlung drohen. Dies ist nur mit einem "Kunstgriff" möglich.
Ich spreche jetzt von der Aktion "Hund ist Kunst". Diese Aktion ist eine besonders herzerfrischende, sehr öffentlichkeitswirksame Aufforderung an die Bürokraten und Politiker der Stadt, endlich Kreativität walten zu lassen. Die am grünen Tisch beschlossenen, nicht mit einer artgerechten Hundehaltung im Einklang stehenden Vorschriften müssen geändert werden.
Anderenfalls wird die Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler mit Sicherheit ihre Kreativität walten lassen, um immer wieder öffentlich auf die Mängel der Verordnungen hinzuweisen. Dies ist mit der Aktion "Hund ist Kunst" zur Zeit bereits bundesweit der Fall.
Ein Erfolg ist also schon da. Der nächste stellt sich ein, wenn Sie mitmachen, Ihren Hund zum Kunstwerk erklären lassen, und den beiliegenden Antrag auf Befreiung von der Hundesteuer ausfüllen.
"Hunde-Kunstwerke" kommen mit Sicherheit in der Gebührenordnung der Stadt Duisburg nicht vor. Für "Hunde-Kunstwerke", z.B. Hundeskulpturen, Hundebilder musste noch niemals in der Vergangenheit Hundesteuer bezahlt werden. Weder in Duisburg noch anderswo. Der Antrag auf Steuerbefreiung hat also eine gewisse Aussicht auf Erfolg. Im Zweifelsfall werden die Gerichte darüber entscheiden müssen.
Damit Ihnen das Ausfüllen leichter fällt, möchte ich Sie umfassend über die Aktion "Hund ist Kunst" informieren. Dazu ist ein kleiner Ausflug in die Kunstgeschichte nötig.
Die Kunstgeschichte belegt, wie Altagsgegenstände, Gebrauchsgut, Fundstücke, Naturgegenstände, "Pissbecken" und sogar Menschen - allein durch den künstlerischen Akt, in diesem Fall Herausnahme aus der gewohnten Umgebung, materiell unverändert durch bloßes Hineinstellen in einen neuen, im weitesten Sinne kunsthistorisch bedingten Zusammenhang, zum Kunstwerk werden. Diese Kunstwerke sind die absolut perfekte Annäherung der Kunst an die Wirklichkeit. Der Künstler lässt in diesen Objekten die Realität sich selbst darstellen und nimmt ihnen dadurch als Kunstobjekt die traditionell gewohnte Nachahmungsfunktion von Wirklichkeit. Dies kann man in allen Kunstbüchern so nachlesen.
Das gleiche geschieht mit Ihrem Hund. Ihr Hund wird durch mich zum Kunstwerk erklärt! Dieser Vorgang wird in einer Urkunde festgehalten. Nur Hunde mit diesem Zertifikat sind im Sinne dieser Aktion Kunstwerke. Die Urkunde hat insofern Beweiskraft.
Der Kunsthistorische Zusammenhang ergibt sich aus der Tatsache, dass ich seit Jahren versuche, meinen Mitmenschen, insbesondere Erwachsenen, Mut zur eigenen Kreativität zu machen, z.B. mal wieder den Pinsel in die Hand zu nehmen.
Malen macht ungeheueren Spaß. Nur das Malerlebnis zählt. Ob das Ergebnis Kunst ist, ist völlig unwichtig und unbedeutend, weil die Kunstgeschichte zeigt, dass jeder Gegenstand um uns herum grundsätzlich die Eigenschaft, ein Kunstwerk zu sein, in sich trägt.
Wie oben bereits erwähnt kann jeder Gegenstand - allein durch die Erklärung zum Kunstwerk durch jemanden, der sich dazu berufen fühlt - in die Kunstgeschichte eingehen. Die Kunstgeschichte legt dabei noch einen drauf. Sie ist so "grausam", sich selbst als "Antikunst" konzipierte Objekte einzuverleiben und daraus "Kunst" zu machen.
So wie jeder Gegenstand um uns herum also ein potentieller Kunstgegenstand ist, ist auch jeder Mensch ein potentieller Künstler. Oft genügt nur ein kleiner Anstoß, um diese Fähigkeit in sich wieder zu entdecken. Hat nicht jeder von uns als Kind ganz unbefangen gemalt?
Wenn das "Kunstmachen" auf der einen Seite so einfach ist, warum wird auf der anderen Seite, auch von der öffentlichen Hand, für Kunstwerke soviel Geld bezahlt? Allein der Ärger über diese Tatsache hat Sie bisher davon abgehalten, sich mit Kunst näher zu befassen und hält sie vielleicht auch davon ab, an der Aktion "Hund ist Kunst" teilzunehmen.
Die Preise für Kunstwerke sind reine Liebhaberpreise. Ihre Höhe wird u.a. durch die Nachfrage der Sammler bestimmt und orientiert sich auch an dem Bekanntheitsgrad des Künstlers und der Einstufung des Werkes innerhalb seines Gesamtwerkes. Es wird für die Kunstwerke soviel bezahlt, weil sie billiger nicht zu haben sind. Der Kunstmarkt ist eben ein Markt wie jeder andere, nur dass die Ware "Kunst" genannt wird.
Die Preise für Kunstwerke repräsentieren auf keinen Fall einen nur für Eingeweihte sichtbaren objektiven Qualitätsmaßstab. Alle Vorstellungen über Kunst, über die Qualität von Kunst werden durch Vereinbarungen aller am Kunstbetrieb beteiligten Menschen darüber geprägt. Sie können nur subjektiv sein und erfolgen immer auf Zeit! Sie sind Spiegelbild des Zeitgeistes, wie Kunstmarktpreise Zerrbilder dieses Zeitgeistes zu sein scheinen.
Ich wünsche mir, dass Sie mich nach diesen Ausführungen als durchaus nüchtern denkender "Künstler" einstufen und ich Ihre Sympathie für die Aktion "Hund ist Kunst" geweckt habe.
Vertrauen Sie mir bitte Ihren Hund an und lassen Sie mich aus ihm ein Kunstwerk machen.
Erklären Sie sich dadurch mit allen anderen Hundehaltern solidarisch, die von der Stadt artgerechtere Rahmenbedingungen für die Hundehaltung verlangen.
Füllen Sie bitte das beiliegende Antragsformular und die Urkunde aus. Die Urkunde ist nur ein Muster. Die Angaben werden auf ein Original aus einer Elefantenhautimitation übertragen.
Mitglieder der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V. erhalten diese Urkunde kostenlos.


Mit freundlichen Grüßen