Rudolf Kley (2007)

Plädoyer für „Die Liebe bleibt!“

 

Bevor ich irgend eine künstlerische Arbeit beginne - Malerei oder Aktionen z.B. - hinterfrage ich die Motivation meines Handelns.

 

Soweit ich es einrichten kann, möchte ich nur Dinge tun, die mir aus unterschiedlichen Gründen wirklich wichtig sind.

 

Insbesondere hinterfrage ich, ob  sich daraus irgendwelche sachfremden Vorwürfe - wie etwa die einer Geltungssucht oder Eitelkeit - berechtigterweise gegen mich ableiten lassen. Hierunter würde nach meiner Ansicht jede ernsthafte Arbeit leiden.

 

Manchmal allerdings nehme ich es der Sache wegen in Kauf, dass sich Missverständnisse in diese Richtung ergeben könnten. Vieles, was ich sagen möchte, weil ich es für wichtig halte, richtet sich ja an einen größeren Personenkreis. Diesen zu erreichen ist über die Presse der einfachste Weg.

 

Gewesen, muss ich leider sagen. Das Internet hat die Medienwelt verändert. Die Zeitungen sind dünner geworden. Und auch die Redakteure haben gewechselt. In der Regel handelt es sich um jüngere Journalisten, die weder mich noch meine Arbeiten kennen oder schätzen. Manchmal mögen auch irgendwelche Vorurteile im Weg stehen. Etwa dieses, dass derjenige, der als Apotheker sein Geld verdient, den „Vollkünstlern“ (wie viele können ausschließlich von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben?) doch bitte nicht die Butter vom Brot stehlen sollte.

 

Alle dieses habe ich bedacht und hinterfragt, bevor ich mich zu dem „Die Liebe bleibt!“ Projekt entschlossen habe. Trotzdem, denn den Mitgliedern des „Bürgerkreis Gedenken“ hatte ich schließlich am 17. August die folgenden Bedenken per zugesandten Link  auf meine Homepage nahe gebracht: „Wie die meisten Menschen, habe ich normalerweise eine Aversion dagegen, dass sich Menschen – Künstler sind auch nur Menschen - im Zusammenhang mit irgendwelchen Katastrophen, hier die Loveparade-Katastrophe, besonders hervortun und damit die Aufmerksamkeit von dem Ereignis auf die eigene Person lenken. Sobald Künstler am Werk sind, besteht diese Gefahr immer, wenn auch vielleicht für die Betreffenden unterbewusst.“

 

Die Gefahr von Missverständnissen besteht immer. Wer Angst davor hat, missverstanden zu werden, muss sich besonders darum bemühen, dass dies nicht geschieht. Deshalb auch dieser Text.

 

Im Vorfeld der Loveparade habe ich mich vehement für deren Durchführung eingesetzt. Als Lokalpolitiker habe ich in dieser Veranstaltung die Chance gesehen, dass Duisburg durch eine entsprechende Berichterstattung endlich sein überholtes „Schmuddelimage“ hätte ablegen können. Die weltweite Berichterstattung wäre eine einmalige Möglichkeit gewesen, Duisburg positiv in das Bewussten von Millionen Menschen zu rücken. Als Aktionskünstler sah ich die große Chance, mich mit meinem Luftpumpenprojekt anschließen zu können. Das dies trotz vieler Bemühungen  nicht geklappt hat, ändert nichts daran, dass auch ich nach der Loveparade-Katastrophe traumatisiert war, obwohl ich die Veranstaltung nicht besucht habe. Sicher mehr, als wenn ich diese Beteiligung nicht in Erwägung gezogen hätte. Mein Luftpumpenprojekt ist jetzt für mich ebenfalls gestorben. Fast ein Vierteljahrhundert habe ich an ihm gearbeitet.

 

Es blitze noch einmal kurz auf, als ich spontan in meinem Schreiben an den Bürgerkreis ein riesengroßes Herz aus roten Luftpumpen aus der Bevölkerung anstelle von Kerzen vorschlug, das hinterher in einen roten Betonklotz gegossen würde, Aus diesem Klotz wurde dann für mich der „Minotaurus von Duisburg“, wie er auf meiner Webseite in verschiedenen Ansichten zu sehen ist.

 

Kein Tag, an dem ich nicht an die Loveparade denke. Kein Tag, an dem ich mich nicht aktiv mit meinem Projekt „Die Liebe bleibt!“ auseinandersetze. Unter den Toten hätten auch meine Kinder sein können. Wie erlöst waren wir damals, als wir uns am Tag des Unglücks vom Gegenteil überzeugen konnten.

 

Geld für den Bürgerkreis, für ein Denkmal oder eine Stele. Denkmäler, die ohne Wirkung irgendwo herumstehen, hasse ich. Wenn ich Denkmal höre, muss ich zuerst an die Denkmäler zur Verherrlichung des Krieges denken. Die Namen der Gefallenen bilden dafür den Lorbeerkranz. Nichts für mich. Dann gibt es noch die Denkmäler, bei denen man geflissentlich wegsieht, weil man in seinem heilen Alltag nicht vor der von dem Denkmal ausgehenden Betroffenheit erreicht werden möchte. Diese Denkmäler sind wie deplazierte Grabsteine. Weil man nicht hinsieht, sind sie wirkungslos. Auch nichts für mich. Also werbe ich für ein Denkmal, das die Toten in Gedanken wieder auferstehen lässt.

 

Die Toten möchten von ihren Liebsten nicht vergessen werden. Sie möchten aber aus der gleichen Liebe heraus auch nicht, das sich irgend jemand zu Tode grämt. Das weiß ich von meiner Mutter. Und die, die mit ihren Verletzungen übrig geblieben sind, wollen Gerechtigkeit.

 

Der Wunsch, die Versuchung, die Schuld an einer Person fest zu machen, ist groß. Die Angst, dass diese Schuld bis in alle Ewigkeit zwischen den Verantwortlichen hin und her geschoben wird, ohne dass etwas zur Entlastung der Opfer geschieht, ist ebenso groß. Da sehe ich den Sinn des Denkmals für die Opfer der Loveparade. Das sich so etwas nicht wiederholt und den Opfern endlich Gerechtigkeit widerfährt.

 

„Die Liebe bleibt!“ Kalender und Originalgrafiken sollen Geld kosten, das in ein Denkmal fließt. Ist der Preis dafür gerechtfertigt? „Es fällt uns allerdings sehr schwer, einen Kalender zu empfehlen, der 100 Euro kostet. Das ist für die meisten unserer Leser viel Geld.“ schreibt eine Redakteurin. 100 Euro sind auch für mich viel Geld. Eine Spende in dieser Höhe überlege auch ich mir ganz genau. In diesem Fall soll das Geld direkt auf ein Spendenkonto eingezahlt werden, über das ich nicht verfügen kann. So ist für jeden Spender gewährleistet, dass sein Geld auch zu 100 Prozent ankommt.

 

Der Kalender mit seinen 12 Originalgrafiken (Die Bilder sind keine Reproduktionen!) und das Gemälde kosten zusammen 100 Euro. Sie sollen zu der Spende animieren. Und sie sind das Geld insofern wert, weil ich für vergleichbare Arbeiten in der Vergangenheit, als z.B. die Galerie 77 in Meiderich noch existierte, ein Vielfaches erzielt habe.

 

Der Verkauf meiner Bilder für einen guten Zweck hat bei mir  bereits Tradition. Schon 1985 konnte die WAZ vermelden, dass bei der Ausstellung meines Guinnessrekordwerkes „1100 Meter Stattgeschichte“ in Essen, das anlässlich des Duisburger Stadtjubiläums entstanden war, bereits in der ersten Stunde 100 Bilder für 20 000 DM laut Angaben des Veranstalters (Stadtsparkasse Essen) verkauft worden waren. Eines dieser Bilder befindet sich im Gemäldekatalog des Wilhelm-Lehmbruck-Museums.

 

Was ist ein Kunstwerk wert? Der Materialwert kann es nicht sein, der seinen Preis ausmacht. Für Kunstwerke werden immer reine Liebhaberpreise gezahlt und es wird mit ihnen spekuliert. Die Qualität von Kunst ist Vereinbarungssache wie die Kunst selbst. Das führt mich wieder zu meinem Luftpumpenprojekt. Genau diesen Zusammenhang habe ich über dieses Projekt transparent machen wollen. Eine Beschreibung dieses Projektes finden Sie hier. Daraus stammt auch dieses Zitat: "Was vereinbarungsgemäß Kunst ist, ist Kunst. Dies sagt aber nichts über die Qualität von Kunst aus, sagt nichts darüber aus, was gute und was schlechte Kunst ist. Auch der Qualitätsbegriff unterliegt der Vereinbarung. Theoretisch könnte man sich darauf verständigen, die Qualität von Kunst fortan nur noch mit der Luftpumpe zu messen. Deshalb spricht Rudolf Kley auch davon, die Luftpumpe als Qualitätsmaßstab einzuführen um diesen Vereinbarungscharakter offen zu legen. Es gibt für Kunst keinen objektiven Qualitätsmaßstab. Es gibt nur Interessengruppen, die immer wieder versuchen, ihren Maßstab aus den unterschiedlichsten Motiven durchzusetzen. Das einzige was aus der Werkschau und der Biografie annähernd abgelesen werden kann, ist die Authentizität eines Werkes."

 

Auf diese Weise schließt sich wieder der Kreis zur Loveparade. Soeben habe ich gezeigt, warum ich nicht die geringsten Hemmungen haben muss, für meine Werke, für den angebotenen Kalender und das Gemälde Geld zu nehmen (Werke von mir wurden bereits 1982 auf der ART 13 Basel, dem bedeutendsten Kunstmarkt,  angeboten)

 

Meine Bilder sind authentisch. Authentischer geht nicht. Sie sind ihr Geld wert und der Spender zieht aus seiner Spende einen doppelten Nutzen. Er hilft dabei, das Gedenken an die Opfer der Loveparade aufrecht zu erhalten –mit den Bildern holt er sich sogar ein Denkmal in seine Wohnung- und er kommt wirklich preiswert an ein Unikat von mir. Der Blick auf diese Bilder zeigt schon jetzt, dass sie aus meinem Inneren kommen, nicht auf irgendeine Verkäuflichkeit getrimmt sind.

 

Dies ist mein Weg, meine Betroffenheit zu verarbeiten, mit ihr weiter zu leben. Es wäre schlimm, wenn meine Bilder mit alledem nichts zu tun hätten. Den therapeutischen Aspekt von Malerei, von bildnerischer Betätigung allgemein, von Kreativität habe ich immer hervorgehoben. Dies hat mich seinerzeit veranlasst, die Gründung der Kulturwerkstatt Meiderich anzuregen. Gespräche und Erfahrungen dort, Gespräche mit den Künstlern, die in der Galerie 77 ausstellten, haben mich letztlich 1986 zu meinem Luftpumpenprojekt geführt. Ich hoffe, dass das Projekt „Die Liebe bleibt!“ zu einem guten Ende kommt und auch meine  Botschaft hinter dem Luftpumpenprojekt noch eine Chance erhält, anzukommen.

 

Rudolf Kley 8.11.2010

 

 

 

Biografische Anmerkungen bis 2006 finden Sie hier

 

 

 

Hier meine Pressemeldung zu zur Aktion

 

„Die Liebe bleibt.“

 Dies ist das Thema von 100 extra für den „Gedenkzweck“ gemalten Bildern. Rudolf Kley bringt diese Bilder auf der Rückwand seines signierten „Ruhrlin“-Kalenders 2011 an. Natürlich ist auch jedes der „12 Bilder zum Einrahmen“ -  wie es auf dem Deckblatt des Kalenders heißt  - signiert.100 Euro kostet dieser Kalender. Diese 100 Euro erhält der "Bürgerkreis Gedenken", der das Gedenken an die Opfer der Loveparade durch ein Denkmal aufrecht erhalten will.

Die Abbildung zeigt Rudolf Kley mit dem Kalender und dem Originalbild auf der Rückseite. Die folgenden Bilder können alle ganz anders aussehen. Das ist nun mal so bei Unikaten. Gleich ist nur das Thema, das Rudolf Kley auf jedes Bild schreibt oder malt. In der Regel wird man es nur ahnen können. Und auch das Herz, das Symbol der Liebe, ist nur in Fragmenten vorhanden. 

 „Kitsch und reine Dekoration haben in diesem Zusammenhang nichts verloren!“ betont der Maler aus Meiderich, der seinen erweiterten Kunstbegriff lebt und malt. Erweitern möchte der Apotheker und Aktionskünstler das Thema gerne auf die Stadt, in der er seit 60 Jahren lebt und seit 35 Jahren eine Apotheke leitet „Auch diese Liebe bleibt!“

 Die Kalender können bei Rudolf Kley direkt bestellt werden. „Eine Rarität für Kunstliebhaber, die hoffentlich bald ausverkauft ist! Die Bilder müssen natürlich noch gemalt werden.“ Rudolf Kley, der sicher zu den umstrittensten Künstlerpersönlichkeiten der Duisburger Szene gehört-  er hat 1981 „Kunst ist Kohl“ behauptet und führt seit 1986 die Luftpumpe als Qualitätsmaßstab für Kunst ein -sieht darin kein Problem.

Schließlich hat er 1983 zum Duisburger Stadtjubiläum auch sein Guinnessrekordwerk „1100 Meter Stattgeschichte“ meterweise für die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ verkauft, bevor das Werk überhaupt existierte. Prominentester Käufer war damals sicher Johannes Rau. Mit anderen Bilder dieser längsten abstrakten Bildfolge ist er in viele private und öffentliche  Sammlungen gekommen. (Unter anderem ist sein „Stattmeter Nr. 3“ im Gemäldekatalog des Lehmbruck Museums abgebildet.)

Hier kann der Kalender bestellt werden Rudolf Kley, Bahnhofstr. 134, 47137 Duisburg Tel 0203/442999. Als Ausweis reicht bei der Abholung der Einzahlungsbeleg über 100 Euro. Kontonummer kann hier bei der Stadt Duisburg erfragt werden  Tel.: (0203) 283-2197   kommunikation@stadt-duisburg.de Nützlich vielleicht auch diese Angabe von der Seite des Vereins Stadtsportbund Duisburg  http://www.ssb-duisburg.de/

 

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