Luftpumpen für die europäische Kulturhauptstadt Essen 2010

Die Luftpumpe kann ein Freiheitssymbol werden und Völker verbinden. Sie steht für Kreativität und Authentizität. An ihr lassen sich auch das Verständnis für Kunst und das Verhältnis von Kunst und Kultur zur Stadtwerbung erproben.

Manch einer hat noch einen Koffer in Berlin. Wenn es nach dem Duisburger Apotheker und Aktionskünstler Rudolf Kley geht, sollen bald möglichst viele Bürger aus Deutschland und Umgebung – sprich Europa - eine Luftpumpe in Essen haben. Spätesten 2010, wenn Essen Kulturhauptstadt Europas ist.

Seit über 20 Jahren arbeitet Rudolf Kley an seinem Luftpumpenprojekt. Aus gelben Luftpumpen will er das Weizenfeld rekonstruieren, in dem sich Vincent van Gogh 1890 erschossen hat. Daraus will er den Geist von Gogh auferstehen lassen. Viele Bürger haben dem Apotheker in der Vergangenheit nach Presseberichten und Fernsehauftritten eine Luftpumpe gespendet. Mindesten 30 000 Luftpumpen benötigt er aber. Wenn er über diese Mitteilung jetzt 3 Menschen in jeder Stadt, in jedem Dorf Deutschlands erreichen kann, die ihm per Brief oder Postkarte mitteilen, dass sie ihm 2010 eine Luftpumpe spenden werden, glaubt Rudolf Kley, ebenso viele europäische Mitbürger in den Partnerstädten motivieren zu können. Dann kommen genug Luftpumpen zusammen. „Ich glaube nicht, dass sich unsere ausländischen Freunde lumpen lassen, wenn die Realisierung des Feldes in greifbarer Nähe ist!“ verkündet Rudolf Kley selbstsicher. „Der erste Schritt ist erfahrungsgemäß der Schwerste. Damit ich dieses Projekt der Jury in Essen vorstellen kann, benötige ich erst einmal ganz dringend und schnell – nämlich postwendend - die Hilfe meiner Mitbürger. Wenn ich schon dreißigtausend Briefe mit angekündigten Luftpumpenspenden vorlegen kann, wer kann dann noch Nein zu der benötigten Unterstützung sagen oder das Projekt gar ablehnen?“

Und noch etwas sollte die Briefschreiber beflügeln, ihre Luftpumpenspende auf dem Postweg anzukündigen. Rudolf Kley hat sich zwar schon eine Menge Gedanken darüber gemacht, wie er den Geist von van Gogh aus dem Luftpumpenfeld auferstehen lassen will, kann sich aber durchaus vorstellen, dass jemand anderes vielleicht noch eine bessere Idee hat. „Also einfach lustig drauf los Ideen entwickeln und aufschreiben. Vielleicht noch wissenswert, worum es mir hierbei geht. Diese Aktion ist eine Hommage an van Gogh. Die Auseinandersetzung mit van Gogh hat mich davon überzeugt, dass Authentizität und Glaubwürdigkeit , die Identität von Werk und Leben, die wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Kunstwerkes und seines Schöpfers sind. Dies kann man sehr wohl auch am Beispiel einer Luftpumpe zeigen. Herausgefordert hatte mich 1986 die Bemerkung eines Kunstdidaktikers „Andererseits würden wir nicht auf die Idee kommen, das Verständnis für Kunst an einer Luftpumpe zu erproben.““
 

Ein gutes Omen für Essen gibt es schon. 1985 hat Rudolf Kley hier die längste abstrakte Bildfolge ausgestellt, mit der er ins Guinnessbuch der Rekorde gekommen ist. In letzter Minute wie Boris Becker für seinen ersten Wimbledonsieg. Und auch die Verbindung zu Europa ist sch da.. Im Rahmen der 14. Duisburger Akzente 1990 „Unser Haus Europa" zeigte Rudolf Kley „KLEYROPA - Malerei an der Wende". Die Einladungskarte spiegelte übertrieben realistisch sein Motto wieder „Würde van Gogh heute noch leben, gingen ihm auch Luftpumpen durch den Kopf!"

Und noch etwas Gutes zum Schluss: Wer Interesse an dieser Aktion hat, findet die 20jährige Geschichte des Luftpumpenfeldes in Kurzfassung unter www.deapo.de . Hier lässt sich auch eine Grafik herunterladen Auf der Grafik sind van Gogh und das Luftpumpenfeld bereits eine Einheit. Dies ist ein grafischer Versuch, der Auferstehung seines Geistes eine Form zu geben. Und eine Anregung für den Betrachter, den Geist auf seine Weise auferstehen zu lassen. Wer genau hinsieht, kann auch einige Stationen der Geschichte dieses Luftpumpenfeldes erkennen. Auf die Vorschläge aus den Reihen der Leser dieser Miteilung ist Rudolf Kley gespannt. Rudolf Kley signiert die Grafik gerne, wenn ein frankierter Rückumschlag dabei liegt.

 

Luftpumpenfeld für Vincent van Gogh. Luftpumpen sind der  richtige Qualitätsmaßstab für Kunst?
Der Satz „Andererseits würden wir nicht auf die Idee kommen, das Verständnis für Kunst an einer Luftpumpe zu erproben." beschäftigte mich auch noch nach meiner Pumpaktion in Orsoy. Für mich war die Aussage einfach falsch. Das Verständnis für Kunst kann man an allen Dingen festmachen und an allen Dingen, einschließlich der Menschen, erproben. Wie den Gegenbeweis antreten?

Angesichts des von van Gogh gemalten Weizenfeldes mit Raben im Kröller Müller Museum erkannte ich, dass es die Identität von Werk und Leben ist, die ich unterbewusst immer als Maßstab für künstlerische Arbeit angelegt habe. Dies brachte mich auf die Idee, die Luftpumpe als Qualitätsmaßstab für Kunst einführen und dass Weizenfeld, in dem sich Vincent van Gog erschossen hat, aus Luftpumpen nachstellen zu wollen. Dieses Feld würde  die Skulptur gewordenen Antwort auf alle Fragen zur Kunst und Qualität von Kunst werden, die bis in meine Schulzeit zurückreichen. Woher aber die 30 000 Luftpumpen nehmen, die ich nach erster Berechnung für die Rekonstruktion benötigte?

Es blieben nur zwei Möglichkeiten übrig. Entweder die Luftpumpen zu kaufen, oder aber über geeignete Aktionen und die Berichterstattung darüber möglichst viele Menschen zu erreichen, die mir ihre Luftpumpen für diesen Zweck dann spenden würden. Anfangs wollte ich mir einen Teil der Luftpumpen kaufen. Das Geld sollte der quadratmeterweise Vorabverkauf des Luftpumpenfeldes erbringen. Ich schrieb 100 Museen, Kunstvereine und Institutionen wie z.B. Mercedes in Stuttgart an und bekam Briefe voller Anteilnahme zurück, aber kein Geld.

Also rief ich anlässlich meines 40. Geburtstages am 22.12.1986 zu einer Luftpumpenspende auf und bekam an diesem Tag von meinen Gratulanten, die endlich wussten, womit sie mir eine Freude machen konnten, jede Menge Luftpumpen geschenkt. Während unten, in der Parterre die Gäste meinen Geburtstag feierten und manche schon das Haus verließen, hielt ich in meinem Atelier unter dem Dach mit beiden Armen weit über hundert Luftpumpen umschlungen. Der zur Fixierung der Pumpen in einem flachen Kasten benutzte Füllschaum wollte einfach nicht erhärten.

 

Auch Johannes Rau hätte dem „arzneikundigen Kulturmacher aus Meiderich" zu den Glückwünschen gerne eine Luftpumpe beigelegt, aber die alte für das Verlagsbuchhändlerfahrrad hatte der Ministerpräsident verlegt und die neue wollte er mit nach Bonn nehmen, „damit dort viel neuer Luftzug entsteht." Zum Schluss wünschte er mir neunundzwanzigtausendachthundertsechsundneunzig Luftpumpen. Leider ging sein Wunsch bis heute nicht in Erfüllung. 14 Jahre später bat ich ihn darum - Johannes Rau war inzwischen Bundespräsident geworden-, mir doch die für Bonn nicht mehr benötigte Luftpumpe zu überlassen, um viele andere Bürger zu dem gleichen Schritt zu animieren.

 

Als ich in der Zeitung las, dass man sich in China Luftpumpen in den Teestuben leihen kann, rief ich sofort in der chinesischen Botschaft an. Nachdem ich am Telefon dreimal das Wort Plastik buchstabieren musste und als Antwort zu hören bekam, dass es doch an jeder deutschen Tankstelle eine elektrische Pumpe gibt, kamen mir Zweifel ob ich richtig verstanden worden war und legte auf.

Dann fiel mir die Documenta ein. Schließlich handelt es sich bei den meisten Besuchern doch wohl um aufgeschlossene Zeitgenossen. „Wenn nur jeder 10. Besucher mir eine Luftpumpe mitbringt, dann muss es klappen", dachte ich und schrieb flugs den Oberbürgermeister von Kassel an. Mein Luftpumpenfeld wollte ich jetzt der Documenta gegenüber in Form eines Fragezeichens aufbauen. Es kam kein positiver Bescheid. Der Oberbürgermeister hatte kein Plätzchen frei, weil die Stadt Kassel die Aufgabe des künstlerischen Leiters „weder beeinflussen noch konterkarieren" will. Der künstlerische Leiter Manfred Schneckenberger tröstete mich: „Keine Angst, die Documenta 8 wird ihr Fragezeichen hinter einen allzu genormten Kunstbegriff schon selber setzten."

Kassel war mir auch nicht mehr ganz so wichtig. Hatte es doch inzwischen ein Gespräch mit dem „Na, sowas" Macher Holm Dressler gegeben. Er teilte mir mit, dass Thomas Gottschalk mir bei der Pumpensuche durch täglich Berichterstattung während der Funkausstellung in seiner ZDF Sendung „Siehste" helfen wollte. Jetzt musste ich nur noch einen Platz in Berlin finden, an dem die Zuschauer das Luftpumpenfeld wachsen hören und sehen konnten.

Das Pumpenfeld schnitt ich deshalb auf die Berliner Verhältnisse zu. „Luftpumpenfeld am Checkpoint Charlie" hieß der neue Arbeitstitel. Oberbürgermeister Diepgen und den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker bat ich um Erlaubnis, rechts und links der Mauer Pumpen sammeln dürfen. Das Feld wollte ich förmlich über die Mauer klettern lassen, die Mauer auf diese Weise überwinden und damit ein Zeichen der Hoffnung setzen. Das Feld sollte beide Teile Berlins verbinden. Schließlich gab es nur ein Berlin, das 750 Jahre alt wurde!

Der „skulpturenboulevard" geschädigte Oberbürgermeister reichte die Angelegenheit an seinen Kultursenator weiter. Dieser ließ mich durch seine Abteilungsleiter wissen, dass die Mauer kein Ort für ein Happening sei „und auch keine Pinnwand; sie ist ein Instrument der Unmenschlichkeit." Der Osten würde eine solche Aktion nie zulassen.

Postwendend wies ich darauf hin, dass der Osten ja noch nicht abgesagt hatte und fragte nach, was denn bei seiner Zusage geschehen würde. „Dies ist dann so spektakulär, dann müssen wir über die ganze Aktion neu nachdenken", hieß es in etwa sinngemäß. Verständlich, hatte doch der Spiegel gerade über ein Projekt der „Mythos Berlin Ausstellungs GmbH" unter der Überschrift „Russe von hinten" berichtet. Es ging dabei um einen Künstlerwettbewerb zur „behutsamen Verstädterung" des Betonwalls. Von diesem Wettbewerb erfuhr ich leider erst aus diesem Artikel. Jan Laessig, Mitorganisator dieser Veranstaltung bedauerte, dass ich meine Unterlagen nicht eher eingereicht hatte. Eine Berücksichtigung, eine Verlegung des Luftpumpenfeldes von der Mauer auf den Anhalter Bahnhof war jetzt organisatorisch nicht mehr drin.

Zwischenzeitlich hatte ich Kontakt zu dem Bund der Steuerzahler in Berlin aufgenommen. Ein ziemlicheinseitiger Kontakt, denn trotz meiner sieben Anrufe und dem permanent abgegebenen Versprechen meiner Gesprächspartnerin, mir Fotokopien der Pressemitteilungen und Berichte über die Aktivitäten dieses Bundes im Zusammenhang mit den Protesten und „Buh" Rufen wider den Skulpturenboulevard, habe ich dergleichen nie erhalten.

Dabei wollte ich doch nur, dass alle „Buh-Rufer", „76% der Berliner Bevölkerung", diese Schätzung gab der Künstler Vostell in einer Talkshow von sich, ihren Unmut durch eine Luftpumpenspende ausdrückten.

Unter dem Titel „Einblicke" liefen hier zeitgleich die Duisburger Akzente. Bei der Eröffnung hatte der Kulturminister der DDR betont, wie wichtig Kunst als Mittel der Verständigung auch über deutsche Grenzen hinweg sei. Warum ich keine Stellungnahme des Staatsratsvorsitzenden zu meiner Anfrage bis dato bekommen hatte, konnte mir eine diese „Einblicke" betreuende Funktionärin auch nicht sagen. Vielleicht ahnte Honecker ja, dass die Mauer bald sowieso fallen würde.

Meine letzte Hoffnung für einen Auftritt in Berlin war die Firma Sony. Der hatte ich einen Verschönerungsvorschlag für ihren Stand auf der Fernsehmesse geschickt, den ich, nachdem mir bis Juli keine Entscheidung mitgeteilt wurde, wieder zurückzog. Viele Monitoren sollten teichförmig auf dem Boden ausgebreitet werden und von einem „Luftpumpenschilf" umgeben werden. Die Monitoren sollten in einer ganz spezifischen Weise eine Aufzeichnung meines Guinnessrekordbildes wiedergeben und so verdeutlichen, dass Bilder immer aus Bildern kommen. Eine Brücke, ähnlich der, wie sie van Gogh immer gemalt hat, sollte über diesen Kunstteich führen und dem Betrachter den richtigen Abstand ermöglichen.

Welchen Stellenwert das Luftpumpenfeld für mich inzwischen für mich eingenommen hatte, mag man der Tatsache entnehmen, dass ich es Kaspar König für seine „Weltausstellung" der Ideen anbot. Er schrieb zurück: „Die in Frankfurt anstehende Ausstellung bezieht sich auf weniger literarische Ideen und geht in eine andere Richtung." Was hat er damit nur gemeint?

Einen Stellplatz für das Luftpumpenfeld zu finden war schon sehr schwierig, 30 000 Luftpumpen zusammenzubringen schien aber nur einfacher zu sein.

Zwar brachte mir ab und zu auch jemand in der Apotheke eine Luftpumpe vorbei, das Gelbe vom Luftpumpenfeld war es aber nicht. Deshalb ließ ich jetzt den Geist von van Gogh förmlich aus dem Luftpumpenfeld auferstehen und jeder konnte ihm sein Ohr leihen. 

In der Praxis sah dies so aus. Ich bastelte ein leicht transportables 1 qm großes Luftpumpenfeld und stellte dahinter ein Bild, das zeigte, wie sich van Goghs Geist aus einem Luftpumpenfeld erhob. An der Stelle, wo van Goghs linkes Ohr gesessen hätte, hatte ich ein Loch in das Bild gemacht, durch die jeder Ausstellungsbesucher, das Bild nahm ich jetzt immer auf Ausstellungen mit, sein Ohr stecken konnte. Mit der Polaroid Kamera, die auf sein Ohr gerichtet war, wurde dieser Vorgang festgehalten. Das Polaroid Bild wurde in eine Grafik „Gehe und leihe van Gogh Dein Ohr!" so eingefügt, dass es jetzt Teil dieser Grafik wurde. Der Betreffende konnte es zu hause an die Wand hängen und seinen Besuchern erzählen, wie und weshalb er an diese Grafik gekommen war. Für mich persönlich war es wichtig, dass auch der damalige Verwalter von Kunst - und Kulturmaßstäben, der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft Jürgen Möllemann, der Aktion sein Ohr auf dem FDP-Parteitag in der Mercatorhalle lieh, als er die Gemeinschaftsausstellung mit dem Beuysschüler  Alfred Grimm eröffnete und auch das Geleitwort zu meinem Kalender für das Jahr 1990, „Ich male, also lebt van Gogh!" schrieb. 1990 jährte sich zum einhundertsten Mal der Todestag von Vincent van Gogh. Das Grußwort zu dem Kalender schrieb damals Duisburgs Oberbürgermeister.  OB Krings, der es mir anscheinend nicht übel genommen hatte, dass ich anlässlich der Universiade vor dem Stadion gegen die Entsorgung hochgiftiger Filterstäube in einem Meidericher Wohngebiet protestiert hatte. Allerdings kam die Meidericher Bevölkerung meinem Aufruf nur sehr vereinzelt nach,  mit Luftpumpen gegen die fragwürdige Entsorgung von Filterstäuben zu protestieren. Das Feld sollte gegebenenfalls in Form der olympischen Ringe vor dem Stadium entstehen, in dem die Universiade stattfand. Den Besuchern der Universiade setzte ich so genannte Filterschutzhauben auf. Die Besucher fotografierte ich mit diesen Hauben und benutzt diese Fotos zur Bereitung von Bilduntergründen. Die Bilder stellt ich in der DGHS-Akademie Düsseldorf, in den Räumen der „Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben" in Düsseldorf aus. DGHS-Präsident Atrott kaufte bezeichnenderweise eines dieser Bilder für die Bundesgeschäftsstelle in Augsburg. Im Rahmen der 14. Duisburger Akzente 1990 „Unser Haus Europa" zeigte ich „Malerei an der Wende". Die Einladungskarte entstand nach dem Motto  „Würde van Gogh heute noch leben, gingen ihm auch Luftpumpen durch den Kopf!" Danach entwarf ich eine „Russlandgrafik". Eine Luftpumpe treibt auf dieser Grafik ein Schiff an, das van Goghs Weizenfeld nach Russland bringt. Es wird von einer Friedenstaube gesteuert. 100 Bestellungen gingen ein, nicht genug, um den aufwendigen Druck von 1000 Exemplaren zu finanzieren und tatsächlich Weizen oder ähnliches nach Russland zu schicken..

Bei jeder Gelegenheit machte ich auf meine Luftpumpensammelleidenschaft und die damit verbundene Absicht aufmerksam.
Es gab neben Rundfunkbeiträgen, mehrere Fernsehbeiträge, z.B. in der ARD (Allerhand -Bilder, Menschen und Geschichten) . Der WDR lud mich mit meinem Feld zu „Gesucht – Gefunden" ein und ließ für die Zuschauer sogar ein Luftpumpenorchester auftreten. Ich wandte mich an den Initiativkreis Ruhrgebiet, einem Kreis namhafter deutscher Firmen, die sich dem Ruhrgebiet besonders verbunden fühlten. Tatsächlich bekam ich von einigen Mitgliedern auch Luftpumpen, darunter von einem Max Dietrich Kley, der später auch Vorstandsvorsitzender der Infineon war. Er erkundigte sich bei dieser Gelegenheit gleich nach einem möglichen Verwandtschaftsverhältnis.

Immer wieder gab es Gelegenheiten, das Verständnis für Kunst anhand der Luftpumpe zu erproben. 1995 bot sich eine solche Gelegenheit in Berlin bei der Verhüllung des Reichstages durch die Künstler Christo und Jeanne Claude. Da habe ich meinem inzwischen leider verstorbenen Hund Hubertus die Reichstagverhüllung mit der Luftpumpe in der Hand erklärt. Er hat zwar verständnisvoll genickt, war sich aber wohl nicht ganz sicher ob er jetzt in die Lappen beißen sollte oder nicht. Nach dem Motto „Kunstwerk beißt Kunstwerk". Immerhin hatte ich ihn und andere Hunde zwischenzeitlich per Urkunde in den Rang eines Kunstwerkes erhoben – denn der Hund als Kunstwerk kommt in den entsprechenden Gebührenordnungen der Städte für die Hundesteuer nicht vor. (Siehe auch „Jeder Hund kann ein Kunstwerk sein“) Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Hundesteuerzahler Duisburg e.V. musste ich einfach so handeln. Über diesen  Akt wurde bundesweit geschmunzelt. Er brachte mir auch den Stern der Woche von Stern TV ein.

Das Angebot des Polizeipräsidenten für die Platzierung des Feldes vor dem Präsidium in Münster kam für mich im Jahr 2000 sehr überraschend. Schließlich lag der Beginn der Aktion schon 14 Jahre zurück. Ich fühlte mich aber trotzdem gewappnet und sagte Ja. Zwar ärgerte ich mich ein wenig darüber, dass ein Zeitungsbericht dieses Ja schon vorweggenommen hatte bevor es ausgesprochen war, aber das Luftpumpenfeld war und ist  bei meinen Aktionen nach wie vor mein Lieblingskind. Das Thema dieser  Aktion ist zeitlos, also auch heute noch brandaktuell, geht es doch auch nach der Jahrtausendwende jedem Menschen bewusst oder unterbewusst darum, seinem Leben einen Sinn zu geben, den höchstpersönlichen, vor sich selbst akzeptierten Maßstab für sein Leben zu finden. Die Suche nach diesem Maßstab ist ganz eng verknüpft mit der Frage nach dem Sinn des Leben.

Schließlich bin ich 1978 mit meiner Überzeugung an die Öffentlichkeit gegangen, dass jeder Mensch Erfolgserlebnisse braucht und der Arbeitsprozess diese durch seine häufig nicht am menschlichen Wesen orientierte Gestaltung kaum zulässt. Arbeitslosigkeit natürlich noch viel weniger. Glückspillen sind kein Ausweg. Bleibt nur Kreativität. Man sollte nur nicht über selbstausgelegte Fußangeln in Form missverstandener oder blind übernommener Maßstäbe stolpern.

Nachdem in den vergangenen Jahren meine Malerei immer näher an meinen Beruf gerückt war  – 1994 „Nur Arzneimittel sind Arzneimittel", 1996 „Jeder Mensch ist ein Placebo!", 1999/2000 „Fett weg!" sah ich in dem für Münster geplanten Luftpumpenfeld auch ein Gesundheitsdenkmal, denn im Gesundheitswesen ist einfach keine Luft mehr. Letzten Endes konnte es mir aber egal sein, ob mir Luftpumpen als Zeichen eines Protestes, zur Unterstützung einer Kunstaktion oder zur Förderung eines gemeinnützigen Zweckes gespendet wurden, denn ich selbst wollte dieses Feld auch als Skulptur erleben und dazu brauchte ich nun einmal 30 000 Luftpumpen. Also gab es entsprechende Berichte und Aufrufe in pharmazeutischen Zeitungen und Ärztezeitungen. Reaktionen blieben leider aus. Auch mein Angebot, das Feld vor seiner Realisierung an einen Sponsor zu verkaufen und das Geld krebskranken Kindern zu stiften, fand leider kein Echo. Dabei hätte ich dies für sehr motivierend für Luftpumpenspender gehalten. Effektiver war da die Anweisung des Polizeipräsidenten an alle Polizeidienststellen in NRW, Luftpumpen entgegen zu nehmen, die dort aufgrund vieler Zeitungsberichte auch abgegeben wurden.

Bundespräsident Rau wollte bei seinem Besuch in Münster anlässlich der Eröffnung des Picasso Museums durch ihn auch seine Luftpumpe zu dem Feld beisteuern, sagte alle Termine im September aber wegen seiner Erkrankung ab. Von der Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten und den begleitenden Presseberichten hatte ich mir einen erheblichen Wachstumsschub für das Luftpumpenfeld versprochen. Der blieb jetzt aus. Wie in den Jahren zuvor blieb das Feld unvollendet. Zum Einsatz kamen die Luftpumpen erst wieder beim "Kreuzzug für die Mercatorhalle", einem Protest, der den  geplanten Abriss der Mercatorhalle in Duisburg leider nicht verhindern konnte. (Inzwischen steht hier das „Citypalais“) Wann  van Goghs Geist  aus einem gelben Luftpumpenfeld aufsteigen wird, steht wieder in den Sternen, nachdem es auch zur Buga 2011 in Duisburg nicht klappen kann, weil diese Veranstaltung inzwischen abgesagt wurde. Das  Motto dieser Veranstaltung  war „BUGA Duisburg verbindet". Die Idee des Luftpumpenfeldes wäre 2011 genau 25 Jahre alt gewesen. Einen Plakatentwurf, der einen blauen Luftpumpenreiter zeigte, hatte ich bereits gemalt.. Der "Luftpumpenreiter" überbrückt auf diesem Bild eine Kluft und bewegt sich auf ein blühendes Duisburg zu. Es wäre einfach zu schön, wenn dieses Feld ein Vierteljahrhundert nach seiner „Grundsteinlegung“ endlich aufgebaut werden könnte.

 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

   

 

 

 

 


 

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